Wer ich bin ...

 

... und was ich mache!

 

Unnötiger Lebenslauf

 

Ein Autor muss ihn verfügbar machen, seinen Werdegang auf Papier. Dabei ist er meist so entbehrlich wie ein Eiterpickel auf dem Hintern. Trotzdem wünschen Verlage und Bücherplattformen diesen Zusatz.

 

Lässt sich das Geschriebene so besser verkaufen? Nein, es interessiert die Leser nicht, sie wollen eine gute Geschichte und nicht die Unterhosengrösse des Verfassers. Die Vita würde höchstens etwas bringen, wenn ein Serienkiller Thriller verhökert, deren Inhalt er vorher gründlich ausprobiert hat. Glücklicherweise ist das eher selten der Fall. Ausnahmen sind natürlich Urheber von Sachbüchern.

 

 

 

Dennoch kommen auch die übrigen Schriftsteller nicht um das einfallslose Thema herum. Ich habe das Problem auf meiner Homepage anders gelöst, um Leser nicht zu Tode zu langweilen. Ich erzähle ihnen einfach, wie sie der Wahnsinn täglich umzingelt. Ich finde, das reicht!

 

 

 

 

Wie ich zum Schreiben kam!

 

Die Reise nach Venedig

 

So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Leicht genervt hockte ich in der Schulbank und folgte widerwillig dem Unterricht. Der Lehrer stellte eine Frage, aber ich verzichtete darauf, mich zu melden. Er würde meine Wenigkeit, wie üblich, sowieso nicht berücksichtigen. Genau wie seine Schüler registrierte er mich nicht. Ich war die Neue und damit eine Totgeburt im Schulzimmer.

     Der Umzug in die Stadt hatte mir Angst gemacht. Ich wusste, ich musste ganz von vorne anfangen, ohne Freunde! Im Dorf war ich in der Clique zu Hause gewesen. Vom Kindergarten weg kannten wir uns. Und jetzt? Niemand interessierte sich für das Landei, das aussah wie frisch vom Bauernhof. Ich war für sie höchstens eine freilaufende Kartoffelpflanze, mehr nicht. Kaum sagte ich einen Satz, war ich auch schon Luft. Wenn überhaupt, bekam ich höchstens missbilligende Blicke. So wurde ich still und stiller, denn ich hatte keine Stimme, wurde nicht gehört.

     Dann kam der Tag, an dem wir die Aufsätze zurückerhielten. Er beschrieb die letzten Ferien, die wir erlebt haben. Bei mir war das Venedig! Diese wunderbare Metropole mit ihren dunklen Gassen und den königlichen Geheimnissen war in den Text geflossen, wie Gold, das geschmolzen durch eine Rinne lief. Eben das hatte ich, in Erinnerungen schwelgend, erzählt.

     Jedesmal durfte einer aus der Klasse seine Arbeit laut vorlesen. Der Lehrer rief diesmal, zum Erstaunen aller, mich auf. Nervös starrte ich auf meine Blätter und stotterte durch die Sätze. Ich bemerkte nicht, wie es in Raum ruhig wurde und wie mich die hungrige Meute erstaunt anstarrte. Mein Geist war wieder in Italien, in der Hitze und ich roch die fremden Gerüche, hörte die gurrenden Tauben auf dem Markusplatz. Nachdem in den Text zu Ende vorgelesen hatte, klatschten die Mitschüler zögerlich. Nicht lange und die anderen stimmten mit ein.

     Von diesem Tag an sprachen sie zwar immer noch nicht mit mir, hörten aber zu, wenn ich im Unterricht etwas sagte. Natürlich wurde ich auf dem Pausenplatz trotzdem ignoriert. Bis zum nächsten Aufsatz, wo sich das Spiel wiederholte. Von da an grüssten sie mich sogar auf der Strasse. So ging es Stück für Stück weiter, bis meine Banknachbarin mich um Hilfe anfragte. Ich sollte ihr einen Text anfertigen. Es war eine Hausaufgabe, die sie nicht hin bekam. Ihre Begabung lag eher beim Turnen, denn beim Schreiben. Den Gefallen tat ich ihr und sie erhielt eine gute Note.

     Von da an durfte ich mit ihr und ihren Freunden die Pause verbringen. Welch eine Errungenschaft! Nach Wochen war das der erste wirkliche Erfolg, denn ich blieb nicht mehr ungehört oder ungesehen. Unerwartet besass ich das Recht zu sprechen. Da ich sonst als Bücherwurm wenig Aufregendes zu bieten hatte, konzentriert ich mich auf die Aufsätze. Es tat sich dennoch nicht viel mehr. Immerhin war ich nützlich und konnte helfen, aber damit war die Sache auch schon erledigt.

     Ich verstummte so langsam wieder. Gereizt schrieb ich die nächste Arbeit. Es ging um das alte Ägypten, was eine Menge Stoff bot. Das Thema Mumifizierung fand ich faszinierend. Dabei stellte ich mir knurrend vor, wie ich meine lieben Mitschüler in Tücher einwickelte, um sie in der Pyramide einzumauern. Mit einem Teddybären, den ich dementsprechend präpariert hatte, demonstrierte ich, wie Mumien damals hergestellt wurden. Ich sezierte den unschuldigen kleinen Kuschelbären vor der ganzen Klasse, zog ihm das Gehirn aus der Nase und operierte die Organe heraus.

     Das Ergebnis war äusserst belustigend. Einige Klassenkameraden hingen nämlich, grün im Gesicht, über den Toiletten. Offensichtlich waren ihnen meine plastische Darstellung und der entsprechende Text zuviel. Es führte jedoch dazu, dass ich anders wahrgenommen wurde. Plötzlich hatte ich eine starke Stimme, eine die gehört wurde, weil sie Grausames verkündete. Ich war nicht mehr das Landei, der Lauch mit den merkwürdigen Hosen, sondern das Mädchen mit dem Hang zum Sonderbaren. Das kam an! 

     Diese Aufsätze veränderten mein Leben. Es sind die ersten Texte, die ich bewusst in Erinnerung habe. Ich lernte, dass Buchstaben eine Bedeutung bekommen, je nachdem, wie ich sie zusammensetzte. Nichts besass eine vergleichbare Wirkung. Dieser Faszination bin ich bis heute erlegen, denn nur wenig ist so nachhaltig wie ein gutes Buch oder ein solcher Kurztext. Dabei bin ich meiner morbiden Ader treu geblieben. Es macht mir inzwischen durchaus Spass, Menschen an ihre Grenzen zu führen. Gut, ab und zu auch darüber hinaus, denn der Wahnsinn lauert überall. Er muss nur aufgeschrieben werden!

 

 

 

 

 

Inspiration: Nichts ist wie es scheint!

 

Das grosse Thema in meinem Leben war und ist die Inspiration und weshalb sie nie das tut, was sie soll. Als Muse taugt sie jedenfalls nicht sehr viel, wie ich im Laufe der Zeit feststellen durfte. Das hängt aber wohl eher damit zusammen, dass ich zur Genüge Unsinns-Gene geerbt habe.

     Mit dem Dasein angefangen habe ich in Engelberg. Ich war ein hibbeliges und dauerplapperndes Kind, das schon mal an den Nerven zerrte. Unsere Familie ist dann in den Kanton Luzern gezogen, wo ich den Kindergarten und die Primarschule besuchte.

     Hier ereilten mich erfreulicherweise Inspirationen in Form eines merkwürdigen Nachbarjungen. Ich fand es interessanter, ihm hinter den Friedhof zu folgen und tote Schweine aus dem Bachbett zu fischen, als mit Püppchen zu spielen. Der Knabe wurde leider bald weggesperrt. Damals fing ich mit dem Lesen an, weil die wirklich spannenden Dinge dummerweise nie lange dauerten.

     Natürlich schlug sich meine Fantasie in den Schulaufsätzen nieder. Da die Lehrerin Blut und Tod unverständlicherweise ablehnte, schrieb ich heimlich. Als wir wieder umzogen, befand ich mich lese technisch im Krimibereich, der mich jedoch schnell anödete. Es war einfach unlogisch, dass jeder Kriminelle ins Kittchen wanderte. Deshalb wandte ich mich dem Horror zu, was die Sache freilich kaum erleichterte. Der gemeine Leser wird nämlich geächtet, wenn er im Bus sitzt und eine Zombie-Apokalypse liest, bei der das Buchcover blutige Körperteile zeigt. Von da an stopfte ich die Bände in Klatschhefte, denn die wurden problemlos akzeptiert.

     Irgendwann ging die Schulzeit vorbei und ich verbrachte ein Jahr in der welschen Schweiz, um Französisch zu lernen. Dort stolperte ich über Leichen, lernte, wie man Hunderte von Spinnen tötet, und knüpfte lebensgrosse Puppen als Leichenersatz an die Decke. Wo die in rote Farbe getauchten Tampons auftauchten, lasse ich jetzt mal weg. Dazu die Jagd auf einen echten Mörder! Diese Erlebnisse waren fantastisch und jagten mich regelrecht durch die Monate.

     Danach wurde ich in die ordentliche Arbeitswelt eingeführt. Dort wählte ich den kaufmännischen Bereich, denn so konnte ich wenigstens schreiben. Zwischen sturen Vorgesetzten und einfallslosen Arbeitskollegen blieben die Offenbarungserlebnisse unglücklicherweise im Dunkel meiner Gehirnwindungen stecken. Auch der Versuch, in der Firmenzeitung den Organklau-Krimi zu platzieren, führte bei der Führungsriege nicht zu Begeisterungsstürmen.

     Nach etlichen ernsten Berufsjahren und der erfolglosen Suche nach der Inspiration war klar, dass das Angestellten-Dasein ein Ende nehmen musste.

     Heute bin ich als Autorin tätig und habe das erste Buch veröffentlicht. Das zweite ist in Arbeit und das dritte angedacht. Momentan treibt die 70-Jährige rheumageplagte Mörderin Rosie ihr Unwesen in meinem Computer. Daneben ist die Vampirin mit Ehe- und Erziehungsproblemen am Wirken, die ein ekelhaftes Kind hat. Ist sie da die einzige Mutter? Permanent fallen mir neue Storys in den Schoss, die die Welt nicht braucht, sie aber um einiges witziger macht.

     Wer viel redet, schreibt meist eine Menge. Deshalb blogge ich. Der Wahnsinn des täglichen Lebens soll in den Äther posaunt werden. Schliesslich setzt sich meine aktuelle Protagonistin Lorai nie ins Fettnäpfen, sondern gleich in die Fritteuse. Diese Effizienz wollte ich beibehalten. Die Blogs, genannt Minis, sammle ich auf der Homepage, um sie der geneigten Leserschaft zu präsentieren.

 

            Damit ist fast alles erzählt. Ich suchte die Inspiration immer im Kopf. Bis ich endlich feststellte, die Realität ist nie, wie sie scheint, und somit die grössere Fundgrube für Ideen. Man muss nur genau hinschauen und schon ist man vom Wahnsinn umzingelt. Gut, das hat wahrscheinlich mit meinen dunklen Gedanken zu tun. Seitdem bringe ich jedenfalls dieses Chaos in Buchstabenform an die Luft, frei nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Diese Lebensweise inspiriert übrigens ungemein.

 

 

 

 

 

Weshalb ich «Lorai» geschrieben habe

 

 Weil ich Lust dazu hatte, greift wohl zu kurz. Ich habe immer gerne die Geschichten der Alten gehört. Die haben aus einem Leben erzählt, das ich generationenbedingt nicht kannte. Für mich gab es nichts Spannenderes.

Es erstaunte mich immer, wie die Menschen ihr Dasein lebten oder allenfalls auch überlebten. Dabei war ich neidisch auf sie, weil sie so viel erlebt haben. Dagegen fand ich mein Leben farblos und unaufgeregt.

Dann wurde ich älter und stellte im Vergleich mit anderen fest, dass ich mich gründlich irrte. Der Wahnsinn umzingelte auch mich! Unbemerkt und heimtückisch! Da griff ich zur Feder, um es aufzuschreiben.

 

 

Was dabei herauskam erstaunt mich noch heute. Geht es Ihnen nicht auch so? Nein? Dann denken Sie einmal darüber nach!

 

 

 

 

 

Weshalb ich «Leviatha» schreibe

 

Weil ich den Gruselfaktor in "Lorai" schätzen gelernt habe. Ein Buch, indem es "nur" um schräge Geschichten ging. Wie wäre es, wenn ich mich mordend durch den Text schreiben könnte? Ich habe mir das so klasse vorgestellt, wenn mich der Wahnsinn definitiv umzingelt, dass ich den Krimi geschrieben habe. 

 

Mehr kann ich im Moment nicht dazu sagen, denn ich bin noch vergnüglich am Leichen produzieren. Jetzt muss ich noch herausfinden, wer der Mörder ist! Ja, das ist etwas blöd, wenn man der Autor ist. Aber so ist das eben mit den Protagonisten! Die Herrschaften machen gerne was sie wollen. 

 

 

 

Das schwere Leben von Autoren

 

 

Wenn Protagonisten zicken!

 

Ich habe inzwischen schon ein paar Leichen hinter mich gebracht. Schriftlich natürlich! Die Vorgänge sind dunkel und für den Leser nicht klar. So muss es auch sein. Wer ist also der Killer? Ich entscheide mich für Prota Nr. 5 und schreibe in die Richtung weiter. Nur hat Nr. 5 keine Lust für meine Vorgehensweise und reagiert zickig auf meine Idee. Damit habe ich nicht gerechnet.

     «Alex, ich habe keine Lust auf den Blödsinn, was fällt dir eigentlich ein?»

     «Sorry Nr. 5, aber das passt doch so schön! Davon abgesehen zielt die Geschichte auf dich ab!»

     «Das ist mir egal, dann schreibst du halt alles um.»

     «Wie jetzt, ich soll das ganz Buch neu machen, bloss weil es dir nicht gefällt?»

     «Genau, frag doch Nr. 2! Die Prota ist sowieso nicht ganz dicht. Da passt das besser!»

     «Nr. 5, lesen bringt Vorteile! Du weisst schon, dass ich es vom Verlauf her nicht sein kann oder? Lass mich da raus!», murrt Nr. 2 beleidigt. «Nr. 3 wäre übrigens ideal dafür, denn die ist sowieso überflüssig.»

     «Meine Lieben Protas, Nr. 3 ist tot! Wie soll die bitte den Rest von euch umbringen?»

     «Du schreibst doch den Text! Lass dir etwas einfallen! Im Notfall tut es auch Magie oder ein Wunder!»

     «Hallo, ich schreibe einen Krimi und keinen Fantasy-Roman! Gut, dann nehme ich eben Nr. 7.»

     «Du weisst schon, dass du mich gerade unter die Erde gebracht hast Verehrteste? Bin ja mal gespannt, wie du das erklären willst», kicherte Nr. 7 irre. «Soll ich etwa aus dem Jenseits Todesblitze abschiessen oder was?»

     «Gut, dann geht halt Nr. 8 ins Rennen! Die kann ich noch umbauen und den Hammer schwingen lassen!»

     «Bitte? Ich bin ein Frauenversteher und kein Meuchelmörder! Merk dir das Alex!»

     «Nicht frech werden Nr. 8, ich kann dich auch zur Frau machen, wenn du weiter maulst!»

     «Wo ist denn das Problem?», brummt Nr. 8 beleidigt, «Nr. 10 hat ja Nr. 11 erschossen! Schieb doch der Prota alles in die Schuhe!»

     «Das geht nicht, die Prota hat auch schon ins Gras gebissen!»

     «Liebe Autorin, wenn du jeden tötest, dann bleibt ja keiner über! Da musst du beim Schreiben halt ein wenig denken», kommentiert Nr. 9 süffisant.

 

Ich sitze jetzt da, zähle meine Leichen und suche den Täter. Tatsächlich weiss ich nicht wer es ist! Das Autorenleben ist nicht so einfach wie gedacht. Aber eines ist sicher, wenn die Protas noch lange herum zicken, dann wird es erst richtig übel für die Bande. Versprochen!

 

     Im Hintergrund höre ich meine Protas flüstern. Ich bin sicher, dass ich das Opfer einer Verschwörung wurde. Da stellt sich mir die Frage, wer schreibt eigentlich das Buch, die oder ich?