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Herz-Post: Dietmar Cuntz

 

Der etwas andere Krimi von Dietmar Cuntz aus der Mainhattan-Reihe. Wer es liebt ausserhalb des Mainstreams zu lesen, ist hier richtig. Mit einem Klick auf das Bild erscheint meine Beschreibung. Viel Spass und Spannung wünsche ich.

Die etwas andere Weihnacht

von Emily Chuck

 

Emily Chuck hat eine herrliche Weihnachtsgeschichte geschrieben. Sie (damit meine ich die Story), ist von der etwas anderen Art.  Ich fand sie jedenfalls ausserordentlich witzig. Ich hoffe natürlich, Sie werte Leser, bekommen ein anderes Fest.

 

Viel Spass damit!

 

 

Stille Nacht geht echt anders

 

 


Ein tolle Geschenk-Idee für Leser

 

Mainhattan Krimi-Kalender

von

Dietmar Cuntz

 

Der Autor Dietmar Cuntz hat mir diesen Krimi-Kalender geschickt, der mich gerade total begeistert. Ich finde die Idee wirklich klasse, deshalb will ich sie euch zeigen. So haben seine Fans ihn oder besser gesagt seine Bücher, ein Jahr vor Augen. Besser geht es nicht oder?

Auf jeden Fall ist das eine super Werbeidee,  denn sie ist nicht nur schön, sondern auch nützlich.  Ich bin überzeugt, dass der Kalender auf der Frankfurter Buchmesse grossen Anklang gefunden hat.

 

Natürlich habe ich ihn (den Kalender nicht Dietmar) mit Vergnügen an die Wand gehängt.

 

Falls ihr auch interessiert seid, findet ihr Dietmar  Cuntz auf :

 

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Facebook: Dietmar Cuntz

Brighton Verlag

 

 

Ganz herzlichen Dank für das Geschenk! Ich bin gespannt auf den Krimi!

 

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Lorais Leseprobe - Götterdämmerung

 

«Ich bin Peter!», tönte es vom Treppenabsatz herauf.

«Aha!» Mehr fiel ihr nicht ein, weil der Sauerstoff im Gehirn fehlte.

Ihr Date schlich gebeugt weiter. Er guckte wie ein geschwächter Vampir, der willige Opfer suchte. Lorai fand, selbst ihr Grossvater hatte auf dem Totenbett frischer gewirkt. Nur, dieser Mensch hier lebte noch. Leider! Ein kurzes Tschüss hätte sie gerettet. Stattdessen lächelte sie den Wicht mitleidig an.  

Die schräge Gestalt zelebrierte begeistert eine Verbeugung und bot seiner Verabredung galant den Arm dar. Lorai erinnerte das an ein groteskes  Theaterstück. Widerwillig folgte sie der Karikatur und überlegte, ob sie ihn jetzt oder erst später erschlagen sollte.

 

 

***

 

»Männer töte ich nicht von Hand, Peppi! Es gibt da andere Möglichkeiten, Herren in den Wahnsinn zu treiben.«

»Ach, geht es um eine deiner niedlichen Geschichten, die du zwingend loswerden musst? Vorher will ich aber noch wissen, weshalb du nach Schuppen gesucht hast!«

»Ich sage es mal so, wenn du mit einer Schuppenforelle im Bett liegst, fühlst du dich wie ein Teig, der auf Mehlausgerollt wird. Egal, machen wir mit den Männern weiter.«

 

 

 

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Lorais Leseprobe - Federmädchen

 

Das Mädchen rannte hechelnd durch die Baumreihen, als sie ein Schatten stolpern liess. Ein Mensch stand vor ihr. Das Wesen mit der Federjacke versperrte den Weg. Entsetzt sah sie in das kreidebleiche Antlitz. Die Augen brannten wie Feuer in einem Gesicht, das in wenigen Minuten stark gealtert schien. Lorai überlegte zitternd, ob sie das Federding ansprechen sollte. Aber sie kam nicht mehr dazu.

 

Die Frau zog in Zeitlupe einen Dolch aus der Jacke und führte dessen Klinge zielsicher an ihre eigene Kehle. Stille! Kein Vogel trällerte im Gebüsch.

Gebannt starrte Lorai auf das Messer. Scharfer Stahl begann die Haut aufzuschneiden. Ein dicker Blutstrom floss den Hals des Federmädchens hinunter.

Die Lippen der blutenden Gestalt hauchten entrückt den Namen «Marie-Anne». Fassungslos flüchtete Lorai.

 

Jemand kreischte in der einsetzenden Dunkelheit. Hinter der Verfolgten wurden Schritte lauter. Es knackte in dem Moment, als die Gejagte die Wiese erreichte.

Erneut erklang ein Todesschrei. Lorai rannte verzweifelt, sah Menschen um sich herum auftauchen. Ein jüngeres Mädchen schoss an ihr vorbei.

Nach wenigen Minuten jagten dutzende Kinder mit ihr durchs hohe Gras.

 

 

***

 

»Gib es zu Sensi! Das Federmädchen warst du! Dieser Humor ist grenzwertig!«

»Ach, Kindchen, Angst zu erzeugen ist erregend! Aber du täuschst dich, wenn du denkst, ich setze mich auf die Art in Szene.«

 

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Lorais Leseprobe - Schlachtschweine

 

Ein schmaler Fluss stoppte ihre Flucht. Die Umgebung kannte sie nicht. Lorai schaute hektisch in alle Richtungen. Die rettende Strasse lag auf der gegenüberliegenden Seite des Leichenfeldes. Sie stand am Rande eines kargen Rinnsals, das in ein lichtes Wäldchen floss. Da gab es kein Weiterkommen. Wurde sie verfolgt? Im Augenwinkel nahm sie eine Bewegung wahr.

Ein Schatten tauchte aus dem Gehölz auf. Stolpernd fiel sie rückwärts auf den Hosenboden.

Lorai hob den Kopf und starrte ängstlich in ein paar dunkle Augen. Ein älterer Junge glotzte erstaunt zurück. Der dünne schwarzhaarige Kerl neigte den Oberkörper langsam über die Kleine.

Bewegungslos, schier ohne zu atmen, blinzelte sie ihn an. Weshalb bewegt sich der Tote? Zog irgendwer an den Fäden?

Zitternd griff ihre Hand nach dem nächsten Stein, um ihn dem Verblichenen auf die Nase zu hauen, falls er noch näher rückte.

Der Fremde lächelte, während es von seinen Armen tropfte. «Willst du es anfassen?»

 

 

***

 

»Die Story ist zugegeben amüsant«, lachte der Tod. »Viele Bauern deponierten damals ihre Tierkadaver im Wald. Das galt ebenso für ungewollte Babys. Die Zeiten sind leider vorbei«, seufzte der Knochenmann.

  

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Lorais Leseprobe - Lorai

 

Süsslicher Leichengeruch stieg mir in die Nase. Es roch, als brutzelte jemand verfaultes Fleisch auf dem Grill. Der Todesduft drängte unerbittlich ins fahrende Auto. Mein Blick glitt verzweifelt aus dem Fenster. Eine Kadaververbrennungsanlage liess stinkenden Qualm ab, der penetrant alles einnebelte. Der Geruch verbrannter Tiere spielte mir übel mit. Würgend quälte ich das Blechkistchen zur nächsten Ausfahrt, um röchelnd ins Örtchen zu brettern.  Doch ich kam nicht weit. Ich musste halten und verliess fluchtartig den Wagen. Keine Minute zu früh, wie sich zeigte. Der Magen protestierte, indem er das Mittagessen auf den Parkplatz entliess.  Während ich die versauten Schuhe säuberte, unterbrach ein Hüsteln meine Bemühungen. Entsetzte Gesichter schauten mir entgegen, als ich den Kopf hob. Die schwarz gekleidete Dame jenseits des Zauns umklammerte verkrampft die Hand ihres Kindes und rang angewidert um Fassung. Siedend heiss wurde mir bewusst, dass ich mich gerade neben einer laufenden Beerdigung erleichtert hatte.  Eilig flüchtete ich in Richtung der Hausdächer, die vor mir in den Himmel ragten.
 
Ausser Atem kam ich zu Fuss im Städtchen an. Die Luft roch wunderbar frisch. Nichts erinnerte mehr an das Eau de Parfum des Todes.  Heilfroh suchte ich ein geeignetes Lokal, denn mein Körper benötigte dringend Kaffee. Davon abgesehen galt es, den freien Tag zu geniessen. Wieder bestens gelaunt flanierte ich eine belebte Strasse entlang. Beim Betrachten der Leute fielen mir massenhaft blutleere Gesichtszüge auf. Roboterähnlich trotteten die Gestalten über den Asphalt. Es fehlte ihnen nur eine Aufziehschraube am Rücken. Diese Leutchen wirkten wie Arbeitszombies auf der Suche nach Hirn.  Misstrauisch starrte ich ins Schaufenster. Bot das Spiegelbild denselben verdorrten Anblick? Ich winkte der Erscheinung vorsichtig zu. Der Umriss wedelte zurück. Grossartig, ich lebte! Aber wie entwickelte sich das bis in dreissig Jahren? Schlich ich dann ebenso hirntot durch düstere Gassen? Egal, das dauerte noch. Unbesorgt spazierte ich inmitten der lebenden Leichen, wobei mir Silvias Gedicht einfiel.
 
Der Mensch er schreit und Hunger spürt, des Chefs Härte seine Angst nur schürt. In Panik gefangen er dem Tode harrt, teuflisch der Boss ihn ins Jenseits karrt.
 
Den Spruch schob sie mir in der letzten Sitzung unter. Er passte zum heutigen Tag. Schmunzelnd zückte ich die Kamera, weil beeindruckend finster, eingefärbt vom Strassendreck, ein Gotteshaus aus dem Abgasdunst auftauchte. Da das Heiligtum eher aussah wie des Teufels Malkasten, gab es ein ausgezeichnetes Motiv ab. Das war Instagram-Futter vom Feinsten!

 
8
 
 Bevor ich den Auslöser drückte, liess mich lautes Motorengeheul erschrocken seitwärts hechten. Ein irrer Kamikazefahrer verfehlte knapp mein Gesäss mit der Stossstange seines Autos. Der Stinkefinger wollte empört winken, da sah ich die Ordnungstafel. Hundert Punkte für den kampfeslustigen Rennfahrer. Dessen ungeachtet verbot das Gesetz dennoch ein Erlegen von Fussgängern im Parkbereich. Der Gute malträtierte erneut das Gaspedal. Der Kerl schien mordlüstern zu sein. Amüsiert schaute ich dem hektischen Treiben zu.  Mit gebührendem Abstand, den Po vorsichtig Richtung Kirchenmauer drückend, guckte ich gespannt zu. Die Nuckelpinne ruckelte inzwischen nervös in der Parklücke herum. Auf dem Beifahrersitz kauerte eine Gestalt und krallte sämtliche Finger ins Armaturenbrett, während die hinteren Passagiere mit dem Kopf immer wieder ans Autodach knallten. Alle Fenster im Wagen waren heruntergelassen. Merkwürdig! Beabsichtigte der Fahrer, die Insassen zu Tode zu erschrecken, einzufrieren, oder hatte er es auf die Passanten abgesehen? Schaulustig richtete ich den Sucher auf das jetzt stehende Vehikel.  Zuerst kletterte ein Herr im akkurat gebügelten Anzug heraus. Die Gesichtszüge zuckten genervt, was ihm ein faltiges Aussehen verlieh. An mir lag es diesmal nicht, denn ich war im Schatten der Kirche perfekt versteckt.  Der Schniegel bewegte sich wie ein ekstatischer Tangotänzer, was die graue Seidenkrawatte über den fulminanten Wanst hüpfen liess. Wie viele Schweinshaxen wohl in diesem Darm vergammelten? Auf jeden Fall passte sein Schlips farblich zur fahlen Hautfarbe.  Danach entstiegen zwei elegante, halbwüchsige Ladys dem Flitzer. Scheinbar die Töchter. Zu dritt versuchten sie mit vollem Einsatz, eine angejahrte Dame Stück für Stück aus dem edlen Schlitten zu schälen. Da der feudale Metallkübel dicht am Boden hockte, blieb die Greisin regelrecht im Sitz kleben. Die Mädels machten kurzen Prozess, klappten den Oberkörper der Alten auf deren Knie und zogen sie, zusammengelegt wie ein Taschenmesser, aus dem Fahrzeug.  Endlich sah ich hinter zappelnden Gliedmassen das ganze Geschöpf, welches bebend gegen den Wind ankämpfte. Oder eher das mit Haut überzogene Skelett. Ihr Bauch bildete, mangels Fett, Wellen beim Atmen, die unter der engen Kleidung deutlich zur Geltung kamen.  Aber die weisshaarige Lady entzückte mich. Da stand strahlend jedermanns Traum-Mütterchen. Ihre orange Bluse und die roten Hosen leuchteten mit der Sonne um die Wette. Weisse schulterlange Haare umwickelten eigenwillig das lachende Gesicht. Oma erfreute der Ausflug unübersehbar. Den frustrierten Mienen nach zu urteilen, schien die Begleitung das anders zu sehen. Der Schniegel hätte die Gnädigste wohl lieber zurück ins Auto gestopft.  Das agile Muttchen interessierte das wenig. Munter redete sie auf den Mann ein, dessen Interesse einzig seinem Handy galt. Doch Omi quatschte ihm lauthals ihre Wünsche ins Ohr. Ein solch unverschämtes Benehmen erhöhte eindeutig den Blutdruck des Herrn. War das etwa ihr Sohn? Die Krawatte schnitt gefährlich in seine aufquellenden Adern am Hals ein. Wütend zischte er das Grosi an, sie solle den Mund halten. Er nannte sie Lorai.  Eine Tochter packte Omilein an der Hand und watschelte demonstrativ mit ihr davon, nicht ohne vorher den Papa giftig anzuknurren. Die zweite Dame folgte schwankend in hohen Stöckelschuhen, das Mobiltelefon vor der Nase. Der Lackaffe in den hochpolierten

 
 
Gigolo-Tretern schluckte grimmig weitere Bemerkungen runter. Die Rotfärbung der Haut zeugte von seiner Lust, der Alten den Kopf abzuschneiden. Es fehlte nur noch die passende Kettensäge.  Ausser mir warteten mehrere Zuschauer auf das unvermeidlich tödliche Ende der Rentnerin. Aber der Krawattenhalter lief eilig der Verwandtschaft hinterher und vernichtete unsere Hoffnungen auf eine Bluttat.
 
Ich beobachtete amüsiert die Familie. Diese Oma hatte Glück. Sie konnte rechtzeitig in Rente. Meine Generation würde bis siebzig durcharbeiten müssen, zum Schluss gebrochen ins firmeneigene Krematorium wanken, Nummer ziehen, den eigenen Nachruf posten, Adressbuch im Handy löschen und ins Feuer hüpfen. Der Friedhof, den es in Zukunft im Keller jeder Firma gäbe, bedeutete kurze, umweltfreundliche Transportwege. Lukrativ wären natürlich auch Souvenirshops für Hinterbliebene, um dem Unternehmen die Kremierungskosten zu retournieren. Dazu ein Mitarbeitermuseum, welches Bilder und Videos der Verstorbenen neben der Urne zum Sonderpreis anböte.  Ich schaute der Rentnerin nach, bis sie im Restaurant verschwand. Die Frau war merkwürdig. Sie wirkte wie frisch von der Geisterbahn. Trug die übellaunige Sippschaft die Schuld, dass die Lady bereits zu Lebzeiten wie Fischfutter aussah?

 
 
                                                                                                               ***
 
Die Wohnungstür fiel leise klickend hinter Lorai ins Schloss. Jack hatte sie vor dem Haus praktisch aus dem Auto geworfen. Die Betagte schüttelte den Kopf. Sein Taufname, Hans-Albert, passte besser zu dem Miesepeter. Sie trieb den eiskalten Neffen mit der Nennung des richtigen Namens regelmässig in den Wahnsinn. Diese kleine Rache genoss sie, da pflegebedürftige Menschen wie sie für ihn nur Gesellschaftsabfall darstellten.  Seit ihrer Krebserkrankung musste er zwangsläufig helfen, denn der Beruf des Hochglanz-Politikers benötigte ein lupenreines Image. Der Heiligenschein rotierte perfekt oberhalb Hänschens Haupt, auch wenn er insgeheim das Tantchen in die Grube wünschte.  Müde glitt Lorai in den geliebten Ohrensessel. Ihr Magen grummelte schon wieder wie verrückt. Dafür war die Chemotherapie verantwortlich. Dazu pupste sie bei jeder Bewegung. Dummerweise kam öfters mehr als nur Luft heraus. Jack hasste den Gestank. Deshalb drehte er immer die Autofenster komplett herunter.  Sie ertastete den feuchten Fleck am Po. Dessen Spiegelbild thronte jetzt auf dem Ledersitz des teuren Spritfressers. Lächelnd entzündete die alte Dame eine Kerze. Dabei dachte sie schadenfroh an den Neffen, der wohl gerade ihre Kacke auf dem Sitz entdeckte.
 
Lorai schielte zum Telefon. Der Anrufbeantworter enthielt keine Anzeige. Die Mehrheit ihrer Freunde spielte bereits im Himmel Bingo. Die meisten kommandierte der Tod mitten im Berufsleben ab. Ausser Guido, der betrunken unter den Zug stolperte. Bemüht sammelten damals die Einsatzkräfte seine weit verstreuten Leichenteile zusammen. Trotzdem blieb ein Fuss unauffindbar. Dagegen durchlitt er, im Gegensatz zu Doris, nicht jahrelange Qualen.  Lorais Freundin vegetierte dement im Altersheim dahin. Das Haus wirkte paradiesisch. Einzig die Särge störten am Anfang. Wenn ein Heimbewohner starb, rollten Bestattungsmitarbeiter die Holzkisten im Gebäude herum. Es konnte passieren, dass während des Mittagessens ein Verstorbener am Salatbuffet vorbeisauste. Wollte der Leichenbestatter wie im Zirkus Applaus für die Nummer oder suchten die zukünftigen Leichen so ihr Lieblingsmodell aus?
 
Lorai knurrte der Magen, da Jack nur Kaffee spendiert hatte. Für die Kranke befand er Nahrung als überflüssig, da diese, ohne verwertet zu werden, durch deren Darm rutschte. Für ihn bedeutete das reine Geldverschwendung. Ginge es nach ihm, wäre sie längst verhungert.  Die alte Dame schob ein Fertigmenü in den Mikrowellenofen. Sofort protestierten ihre Eingeweide furzend gegen die Bewegung. Der zweite Pupser schoss mit Zusatzmaterial in die Unterhose. Verzagt tippelte sie ins Badezimmer, zog den nassen Schlübber herunter und hockte sich müde aufs Klo. Wasserfallartig entleerte der Unterkörper eine Menge stinkender Flüssigkeit. Lorai seufzte laut. Das Essen würde in ein paar Minuten dasselbe Schicksal erleiden.  Hat Hans-Albert recht? Sollte er mich doch besser im Wald aussetzen? Dann bräuchte ich wenigstens die verspritzte WC-Schüssel nicht dauernd zu putzen und könnte stattdessen wie eine

 


                                                                                                                    ***
 
Kuh mit dem Brei den Boden düngen! Aber das werde ich zweifellos sowieso bald müssen. Die Wolke erschien heute. Diesmal wirkte sie nahezu schwarz. Das ist ein schlechtes Zeichen.  Ein scharfer Schmerz durchzuckte ihren Körper, der jegliche Gedanken unterbrach. Erschrocken krallte sie die Finger ins Waschbecken, glitt jedoch ab. Schwere Krämpfe schüttelten Lorai und sie fiel von der Klobrille. Zuckend lag die Kranke auf den kalten Bodenplatten.  Einen Krankenwagen! Bitte! Das Handy liegt im Wohnzimmer! Ich habe keine Kraft zum Aufstehen. Hat irgendwer den Sturz gehört? Nein, die Wände sind zu dick. Niemand wird mich hören! Himmel, die Mikrowelle bimmelt, das Menu ist gar.  Lorai verzog die Lippen. Ein merkwürdiges Zittern wanderte durch ihren Leib. Sie erstarrte, begriff in der Sekunde, dass sie starb. Die Organe hatten genug vom Krebs.  Wieso ausgerechnet in diesem Augenblick, wo sie mit nacktem Hintern dalag und der Pflegedienst ihre Leiche kotbesudelt vorfinden würde? Sie seufzte genervt. So etwas passierte nur ihr.

»Tod, du bist kacke«, wisperte die Sterbende.

»Du hast gekackt, wenn ich nicht irre«, flüsterte jemand.

»Ist da wer? Können Sie mir helfen?«, krächzte sie aufgeregt.

»Ich helfe nie!«, raunte die Stimme.

»Wer redet da?«, fragte sie irritiert, bemerkte aber einen dunklen Schleier neben ihrem Kopf.

»Der Tod, wer sonst? Stehe zu Diensten, Madame.«

»Na dufte, jetzt dreh ich endgültig am Rad«, stöhnte sie.

»Warte damit, bis wir fertig sind«, kam es spöttisch zurück. 

»Was soll das heissen?« 

»Ich führe dir einige deiner Lebensereignisse vor. Du wirst zusehen und gleichzeitig mitleiden. Das Kopfkino aus dem Jenseits möge beginnen!«, rief der unheimliche Besucher beschwingt.

»Nein, hau ab!«, rief sie. »Du existierst nur in meiner Einbildung.« 

»Tja, Loreley, in die Grube zu fahren, unterliegt Regeln. Obendrein versaust du mir den Feierabend, falls du dich zickig zeigst«, knurrte der Sensenmann.  »Wieso? Musst du Bürozeiten einhalten? Lass mich in Ruhe und verschwinde!«, schrie Lorai wütend. Indes, der Tod zeigte kein Erbarmen. Lachend holte er das erste Ereignis aus Lorais Leben.

 »Verehrteste, ich habe heute Nacht noch andere Kunden! Davon abgesehen duftet es hier nicht gerade nach Rosen. Deshalb Film ab«, nuschelte er heiter.  Bevor sie die Chance bekam zu reagieren, fand sie sich in ihrem Kinderkörper wieder.

 

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Lorais Leseprobe - Plüsch

 

Stille.

Des Gummiliebhabers Stahlaugen streiften drohend ihr Gesicht. Jetzt fand sie den Kerl nur noch unheimlich. Gefährlich leise sprach er weiter.

»Das Zuckerpüppchen stiess sich in der Badewanne den Kopf und ist abgesoffen. Mein Haus war bis gestern geschlossen, da die Bullen mich wegen Mordverdachts eingebuchtet hatten.«

Sie starrte ihn mit offenem Mund an.

»Natürlich habe ich die Alte nicht erschlagen«, schnaubte Beat verächtlich. »Ein Mord in der eigenen Wohnung ergibt wenig Sinn!«

Er sah ihr tief in die Augen. »Da gibt es sauberere Alternativen«, flüsterte er.

Lorai wünschte sich in dem Augenblick das Schiesseisen ihres Ex-Chefs zurück.

 

Die Wut wich tiefer Beklemmung. Sie stand mutterseelenallein mit einem mutmasslichen Frauenmörder in diesem unterirdischen Klub. Konnte sie flüchten?

Beat versperrte breitbeinig den Ausgang. Das Unterfangen wäre im Moment chancenlos. Um ihn bei Laune zu halten, beschloss sie mitzuspielen und stellte harmlose Fragen. Lorai hoffte, damit ein unauffälliges Verhalten an den Tag zu legen.

 

 

***

 

»Gäbe es die Wahl zwischen Beat und einem stinkenden Molch, dann nähme ich den Adonis, falls ich mir meinen persönlichen Killer aussuchen könnte. Sonst befällt mich vor dem Tod noch die Krätze«, feixte Lorai. »Gutes Aussehen benötigt ja nur wenig Hirnzellen.«

»Ja«, antwortete Peppone nachdenklich, »es geht nichts über saubere Leichen, die ihre Klappe halten. Gründlich gewaschen können sie wunderbar eingeäschert werden.«

  

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Herz-Post: Johann Kirschenhofer

 

Johann Kirschenhofers

reges Autorenleben

  

 

Johann Kirschenhofer beschreibt in seinem Buch den Weg eines Autoren und seine Erfahrungen mit Verlagen, Agenten und Konkurrenten. Das Buch ist schnörkellos und ehrlich aber charmant und mit Witz geschrieben. Der Autor hat die Tücken des Schreibens aufgezeigt ohne mit dem Finger zu zeigen. Einfach, wie es ist. Ich habe das Buch mit Vergnügen in einem Zug durchgelesen, was bei mir eher selten vorkommt. Es ist ein sehr lesenswertes Buch für Jungautoren oder solche, die es noch werden wollen. Ich bin durchaus gespannt auf seine weiteren Erfahrungen, die er hoffentlich wieder zu Papier bringt.

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Autoren Challenge Januar 2017 - Autorenwahnsinn

 

Louise Bourbon

 

die Autoren Challenge 2017

 

 

 

Rückblick auf das Schreibjahr 2016

 

 

Hier gibt es einen Einblick in die Autoren Challenge 2017 mit Louise Bourbon. Es ist doch immer interessant, miterleben zu können, wie es hinter den Kulissen bei den Autoren so läuft. Louise Bourbon veranschaulicht das auf ihre unnachahmliche Weise.  Ein Buch zu schreiben braucht Herzblut, da es wahnsinnig viel Arbeit macht, bis der Leser ein gutes Ergebnis bekommt.  Nur, mit dem Schreiben allein ist es nicht getan. Louise erklärt das ihn ihrem Blog wunderbar und natürlich mit ihrer ganzen Leidenschaft. Viel Spass beim Lesen!

 

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