Mini-Krimi Karma

Prof. Dr. Michael von Wartenburg sass überglücklich an seinem Schreibtisch. Sie war gerettet! Zärtlich streichelte er über das Bild seiner Frau Isabella. Sie litt Jahre unter ihrer Krankheit und stand kurz vor dem Tod. Selbst als Leiter einer der grössten Kliniken des Landes vermochte er ihr nicht zu helfen. Jedenfalls nicht auf legalem Weg.


Er griff lächelnd nach dem teuren Whisky, den er für besondere Gelegenheiten aufbewahrte. Das Glas war fast leer. Er würde sich künftig keinen mehr leisten können.
Das verlockende Angebot einer Firmengruppe namens Haven kam vor drei Wochen. Er traf die Leute, da diese ihm die Rettung der geliebten Gattin versprachen. Vier Tage später, nachdem er eine horrende Summe bezahlt hatte, holten sie Isabella mitten in der Nacht ab.


Heute Morgen um neun Uhr erhielt er den erlösenden Anruf. Ein Unfallopfer passte perfekt. Die Gruppe versicherte ihm, die fehlende Niere bliebe bei der Beerdigung des jungen Mannes unbemerkt, da die Leiche dementsprechend zugerichtet gewesen sei. Der Professor beobachtete verzückt die Natur durch die Scheibe. Der Herbstwind wirbelte die wundervoll gefärbten Blätter wild in der Luft herum. Nie erschien ihm sein Dasein schöner als jetzt.


Ein Polizeiauto schreckte den Arzt aus seinen Träumen. Er sah vom Fenster des Büros direkt auf den Parkplatz der Klinik. Zwei eifrige Staatsdiener stiegen aus und marschierten zum Empfang. Michael von Wartenburg straffte würdevoll die Schultern. Er war erstaunt, dass die Behörden so schnell vor der Tür standen. Aber es war ihm gleichgültig, auch wenn er ins Gefängnis musste. Die illegal erworbene Niere rettete Isabella das Leben. Nur das zählte für ihn.


Einige Minuten später liess die Sekretärin die Polizisten eintreten. Der Klinikleiter trat ihnen gefasst entgegen und war bereit zu gestehen, das Organ auf dem Schwarzmarkt gekauft zu haben.


Ergriffen verliessen die Beamten das Krankenhaus. Es war schwer gewesen, dem Professor den Tod seines Sohnes zu erklären. Der sportliche junge Mann war morgens um neun Uhr beim Joggen überfallen worden. Dabei wurden ihm die Nieren entfernt. Die Organmafia schlug diese Woche schon zum dritten Mal zu. Das Einzige was die Staatsanwaltschaft inzwischen mit Sicherheit wusste, war der Name der kriminellen Organisation. Die Tätergruppe nannte sich Haven.

 

 

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