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Klappentext

 

 

Sieh hinter die Realität, begegne der dunklen Seite.

 

Die Hände verzweifelt an den Kopf schlagend, kauerte Rosie auf dem Boden. Im Zimmer war es stockfinster, doch jemand flüsterte weiter. Die Stimme, sie hörte nicht auf zu wispern! Höhnisch verspottete diese sie, erzählte Lügen! Es konnte nicht wahr sein! Niemals!

Plötzlich wurde es still. Kein Laut gelangte zu ihr. Sie sass einsam in der Dunkelheit. Ihre Gedanken fuhren Achterbahn. War es möglich? Hatte er ihn umgebracht? Sie schlug mit den Fäusten durch die Luft. Rosie glaubte das nicht, trotzdem lag er tot im Leichenhaus. Eine Spaziergängerin fand ihn im Wald, allein, aufgeschlitzt und beraubt. Ein Zufall?

 

Ächzend stand die Frau auf. Wem sollte sie glauben? Der Stimme oder sich selbst?

totgehasst

 

 

 

Prof. Dr. Michael von Wartenburg sass gelöst am Schreibtisch. Heaven hatte Wort gehalten. Sie retteten sie buchstäblich in der letzten Sekunde! Zärtlich streichelte er das Bildnis seiner Gemahlin Isabella.

            Sie, die schönste Frau, die er je getroffen hatte und die kapriziöseste dazu. Er verfiel ihr vom ersten Augenblick an. Sie, seine Seelenverwandte, die ihn am Atmen hielt.

            Warum konnte Jürgen sie nicht in der gleichen Weise sehen? Der Sohn hasste die Mutter aus tiefstem Herzen. Auf ihren Wunsch musste er ein Internat in Frankreich besuchen. Der Junge durfte lediglich in den Sommerferien nach Hause, wo ihn ein Kindermädchen davon abhielt, die Mama zu belästigen. Diesen Umstand hatte er ihr nie verziehen. Im Erwachsenenalter brach er den Kontakt endgültig ab, weil er ihre Kälte nicht weiter ertrug.

            Michael seufzte, denn er wusste, Isabella war unfähig, Wärme zu geben. Sie gebar den Wurm nur aus Erbgründen, um ihre Pflicht zu tun. Danach wurde das Baby zur lästigen Randerscheinung.

            Der Arzt legte zitternd das Foto auf den Tisch. Hätte er eingreifen, sich für den Sprössling einsetzen sollen? Das schlechte Gewissen forderte durchaus Tribut, dennoch liess ihm die Karriere keine Zeit. Er übergab Isabella die Erziehung, wohlwissend, dass Jürgen damit faktisch aus der Familie verstossen wurde.

 

Der Professor nahm nachdenklich die gelieferten Unterlagen in die Hand. Es handelte sich um die Daten der Leiche, deren Name und Geschlecht fehlten. Es wirkte wie ein Wunder, dass alles so exakt übereinstimmte. Das gab es nicht oft.

            Seine Gedanken drehten sich wieder um Jürgen. Der egoistische Umgang mit dem eigenen Kind kostete Isabella beinahe das Leben. Sie litt lange unter ihrer Krankheit, stand kurz vor dem Tod. Selbst er, der Leiter einer der grössten Kliniken des Landes vermochte ihr nicht zu helfen. Jedenfalls nicht auf legalem Weg. Jürgen hätte sie als Einziger retten können. Selbstverständlich lehnte er das Ansinnen mit harten Worten ab.

            Dr. von Wartenburg griff nach dem teuren Whisky, den er für besondere Gelegenheiten aufbewahrte. Er wusste, dass Jürgen genau das gewollt hatte. Sie sollte krepieren, wie er das nannte. Aber sein Wunsch erfüllte sich nicht.

            Lächelnd nippte Michael an der goldenen Flüssigkeit. Er liebte den Sohn auf seine Art, doch dass dieser Isabella sterben lassen wollte, konnte er ihm nicht verzeihen.

 

            Das verlockende Angebot der Firmengruppe Heaven kam drei Wochen zuvor in Form eines Telefonates in sein Büro. Danach ging es sehr schnell. Er traf die Leute und erteilte, ohne nachzudenken, den Auftrag. Vier Tage später, nachdem er eine horrende Summe bezahlt hatte, holten sie Isabella mitten in der Nacht ab. Das war gestern! Die Aktion verlief planmässig. Er erinnerte sich, wie er angsterfüllt hinter dem davonfahrenden Wagen hersah. Sie fanden offensichtlich einen Spender. Würde es funktionieren?

            Heute Morgen um neun Uhr erhielt er den erlösenden Anruf. Das Unfallopfer passte perfekt. Die Firma Heaven versicherte zudem glaubhaft, dass das Fehlen der Niere, den Angehörigen der verstorbenen Person nicht auffallen werde, da die Leiche durch den Unfall übel zugerichtet gewesen sei.

 

            Der Professor erhob sich, wanderte beseelt ans offene Fenster. Die Natur leuchtete in den fröhlichsten Farben, die Vögel in den Bäumen schienen zu jubilieren. Der Wind wirbelte die Blätter wild in der Luft herum, um sie dann sanft auf den Boden gleiten zu lassen. Nie erschien das Dasein schöner als jetzt. Isabella kehrte bald gesund zu ihm zurück. Die Gewissheit erlöste Michaels Seele von dem Gedanken, seine Frau für immer verloren zu haben.

            Plötzlich flatterte ein kleiner Piepmatz auf das Sims. Er starrte ihn mit grünen Augen an. Merkwürdig, sogar das Tier betrachtet mich anklagend, dachte er irritiert und verscheuchte das Federvieh ärgerlich.

            Ein Auto, welches auf den Parkplatz der Klinik einfuhr, lenkte ihn ab. Zwei Männer entstiegen rasch dem Fahrzeug, um zum Empfang zu marschieren.

            Dr. von Wartenburg straffte entschlossen die Schultern. Es musste die Polizei sein. Er fand es erstaunlich, dass die Behörden so schnell vor der Tür standen. Aber das beeindruckte den Mediziner nicht. Sie konnten nichts beweisen, das wusste er. Die illegal erworbene Niere rettete Isabella das Leben. Doch auch das würden sie niemals erfahren, dafür hatte er gesorgt.

 

Einige Minuten später liess die Sekretärin die Herren eintreten. Es handelte sich tatsächlich um Kriminalbeamte. Der Klinikleiter trat ihnen gefasst entgegen, während er die vorbereitete Story, die die Organfirma für diesen Fall gefertigt hatte, im Kopf nochmals durchging.

            Lächelnd begrüsste er den unerwünschten Besuch mit dem Wissen, dass Heaven perfekt arbeitete!


***

 

 

Hastig verliessen die Beamten nach dem Gespräch das Krankenhaus. Solche Geschichten setzten den Polizisten zu, obwohl sie ihren Job bereits lange ausübten.

            «Die Nachricht warf den Typen völlig aus der Bahn! Ich dachte, der springt jeden Augenblick aus dem Fenster!», meinte der Ermittler Jan Huber zu seinem Kollegen.

            Erich Halter hob verwundert eine Augenbraue. «Ja, sicher hat ihn das umgehauen, schliesslich ist sein Sohn tot. Welcher Vater würde da nicht zusammenklappen.»

            Die beiden liefen zum Wagen, stiegen jedoch nicht ein. Jan Huber legte die Arme aufs Autodach. «Das weiss ich selber! Ist dir nicht aufgefallen, dass er auf die Todesnachricht ziemlich kühl antwortete? Erst als wir ihm die Umstände auseinandersetzten, ist er kreideweiss geworden. Der Tod des jungen Mannes schien keine grosse Rolle zu spielen, die Art wie er umkam hingegen schon. Das ist merkwürdig!»

            Halter schaute in die Höhe. Dr. von Wartenburg stand ausdruckslos am niedrigen Sims und starrte in die Ferne. «Stimmt, jetzt wo du es sagst! Aber wir können nun mal nicht in die Menschen hineinsehen. Davon abgesehen reagiert niemand gleich. Für den Todesfall ist der Kerl jedenfalls nicht verantwortlich. Damit fällt sein eigentümliches Benehmen nicht in unseren Bereich.»

            Huber liess nicht locker. «Das ist richtig, komisch ist es trotzdem. Kaum erwähntest du, dass dem Opfer die Organe entnommen wurden, fiel er beinahe in Ohnmacht. Vielleicht sollten wir ein Auge auf den Herrn Papa haben», sagte er bestimmt.

            «Du glaubst nicht ernsthaft, dass der Doktor den eigenen Sohn ausgeweidet hat oder?»

            Huber lachte kurz auf. «Natürlich nicht! Ich roch nur seinen Angstschweiss, das reicht mir!»

            «Gut, überprüfen wir den Herrn», entgegnete Erich seufzend. «Schliesslich ist er als Klinikchef ebenfalls in dem Geschäft, wenn auch auf legale Weise, tätig. Das ist zumindest zu hoffen. Wichtiger sind im Moment die Informationen der Staatsanwaltschaft bezüglich der Täter. Die Organmafia ist wirklich äusserst effizient organisiert. Da muss schnell gearbeitet werden, sonst gibt es weitere Leichen.»

            «Na, dann zum Revier», antwortet Jan Huber. «Hast du übrigens gesehen, wie sich diese Organisation nennt? Heaven! Das bedeutet Himmel! Das ist ja mal Sarkasmus pur!»

            Halter schüttelte sich und öffnete die Autotür. Beide wollten ins Auto einsteigen, kamen aber nicht mehr dazu.


 

 

Die Wahrheit?

 

 

«Das ist nicht wahr!», flüsterte Rosie entsetzt. «Der Doktor würde so etwas nie tun!»

            «Denkst du, es ist eine Lüge?», wisperte es durch ihre Hirnwindungen. «Niemand weiss besser als du, dass Menschen nicht das sind, was sie scheinen!»

            «Wer bist du eigentlich?», herrschte sie zurück. «Eine Stimme in meinem Kopf? Wenn das stimmt, bin ich am Durchdrehen!»

            «Das wirst du noch früh genug erfahren!»

 

     Plötzlich war Rosie allein. Kein Flüstern, nichts ausser Leere in den Gedanken.

 

Doch eine Lüge?

 

 

«Liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe, der kleine Lesehappen hat Ihnen Spass gemacht. Dies ist die Geschichte von Dr. Michael von Wartenburg, der eine Rolle in meinem nächsten Krimi, «Leviatha  Zufällig tot?» spielt.

     Ob Sie allerdings gerade die Wahrheit gelesen haben? Die Stimme weiss es! Glauben Sie das nicht? Denken Sie daran, nichts ist, wie es scheint!

     Aber jetzt gilt meine Aufmerksamkeit dem genannten Krimi, denn der Mörder gibt sich nicht zu erkennen. Das Buch erscheint im Herbst. Da treibt Leviatha Rosa Zitterli, Lorais Tante, ihr Unwesen. Oder ist es doch jemand anders?

 

Ich wünsche Ihnen bis dahin eine frohe Zeit!»

 

Ihre

 

 

Le. Alex Sax