Vampire - Camelot

Louise fühlte, dass sie auf einer weichen Unterlage lag, öffnete die Augen und versuchte, sich aufzurichten. Sie sah sich um und ihre Sinne trafen auf eine tiefe Schwärze, unterbrochen von blauen Strahlen, die von der Decke zu kommen schienen. Der Raum war klein und sie alleine auf einer Bahre. Sie schwang die schwachen Beine auf den Boden und versuchte aufzustehen. Das gelang mit zitternden Knien. Louise hatte Angst und die Panik umschloss ihr Herz mit eiskalter Hand. Wo war Louis?

 

Langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit und sie sah die Tür. Mit leisen Bewegungen ging sie darauf zu und wollte sie gerade öffnen, als die Schiebetüre mit einem leisen surren selbständig in der Wand verschwand. Schnell trat Louise aus dem Raum und hinter ihr wurde automatisch der Eingang wieder geschlossen. Sie stand in einem grösseren Raum, der genauso diffus beleuchtet war. Hinter ihr gab es einige Kammern, wie die, in der sie gelegen hatte. Alle waren verschlossen. Das blaue Licht beleuchtete vor ihr viele Tische und Apparaturen, die wie medizinische Geräte aussahen. Und es lagen Gestalten darauf, die sich nicht bewegten. Langsam schritt Louise auf sie zu und erkannte ihre Art. Es waren Vampire. Ihr Volk lag auf diesen Tischen. Jeder hatte einen blauen Lichtschein um sich herum, der ihn gefangen hielt. Vorsichtig tastete sich Louise durch die Reihen und durchquerte den Raum, der am Ende mit einem silbernen Lichtvorhang abgetrennt war. Es gab keinen anderen Weg und so streckte sie langsam die Hand durch das fliessende Silber, das keinen Widerstand leistetet. Sie glitt geräuschlos hindurch und schloss kurz geblendet die Augen. Durch die halb geschlossenen Lieder sah sie eine weisse Lichtquelle, die, von der immer noch tiefen Decke, auf einen Tisch fiel. Dahinter stand eine Gestalt, die ihre Hände über etwas schweben liess. Louise folgte dem Lichtschein und sah jemanden auf der Platte liegen. Ihr Herz fing an zu rasen und eine Eiseskälte erfasste sie, die ihr Herz erstarren liess. Auf dem Tisch lag Louis.

 

Bevor Louise reagieren konnte, bewegte sich ihr Mann und eine warme Welle traf ihren Geist, die den Namen Weika al Woremsen hinterher hallen liess. Sie rannte auf ihren Gatten zu und wurde fest und innig umarmt. Louise war überglücklich, denn Weika war die grosse Vampirheilerin. Sie wollten sich bedanken, aber die weise Dame winkte ab und bedeutete ihnen zu gehen, denn sie hatte noch viel Arbeit vor sich. Louis nahm seine Frau an die Hand und sie liefen auf das grosse Tor am Ende das Raumes zu. Beide schwiegen, hatten jetzt aber wieder Hoffnung. Sie mussten Marie Ann finden. Die Türe öffnete sich und gab den Blick auf ein Labyrinth von dunklen Gängen frei. Louise war verzweifelt, welcher war der richtige und wo waren sie eigentlich? Louis machte einfach einen Schritt nach vorne und plötzlich gingen in einem der Gänge kleine blaue Lichter an. Genau, wie vorhin im Heilungsraum bei Weika. Etwas zögerlich liefen sie los, aber die Lichter wiesen ihnen den Weg durch den Gang und erloschen hinter ihnen wieder. Das Licht beleuchtete nur gerade die Schritte, die sie gehen mussten. Es kam Louise wie eine Ewigkeit vor, bis sie mit Louis endlich wieder vor einer Türe standen, die genauso zischend aufging, wie die letzte sich geschlossen hatte.

 

Was sie sah, liess sie zurückschrecken und sich an Louis drängen. Sie standen in einem riesigen Saal unter einer milchigen Glaskuppel. Selbst die Wände und der Boden waren aus diesem Milchglas. Das ganze Gebilde war so gross wie Versailles. Vorsichtig setzte Louise einen Fuss auf den Glasboden und schaute nach unten. Sie standen auf einer Art Podest, das am Rand des runden Gebäudes verlief, wovon Stufen in den untersten Bereich führten, wo ein riesiger runder Tisch stand, der mit Bildschirmen besetzt war. Bevor die beiden sich bewegen konnten, erfasste sie ein blauer Lichtbogen und sie schwebten schneller, als ihnen lieb war, auf den Tisch zu. Bereits in der Luft konnte Louise Merlinea erkennen. Resolut schwebte die Zauberin leicht über dem Grund und dirigierte den Lichtbogen durch die Luft und wieder auf den Boden zurück. Louise war dankbar, wieder selber stehen zu können. Dann erkannte sie zu ihrer Freude, die Anwesenden. Katress war da! Und sie hatte erstaunlicherweise Beine. Rund um den Tisch viele unbekannte Vampire in schwarzen Uniformen und John. Louise atmete erleichtert auf. Gesund stand er vor seinem Stuhl und führte das Kommando über die Armee. Aber wo war Marie Ann?

 

Louise konnte sie fühlen. Sie war in der Nähe, aber sie war nicht zu sehen. Das machte sie allmählich nervös. Bevor sie weiter nachdenken konnte, strömten plötzlich von überall her Vampire in den riesigen Saal und sammelten sich rund um den Tisch. Es waren hunderte. Louise erkannte einige. Es waren alles Gefangene vom Raumschiff. Das Käferfutter kam und war höchst lebendig. Zum Schluss kam Weika al Woremsen und stellte sich ruhig an eine Säule neben dem Milchglas. Keiner wusste so recht, was zu tun war, als Johns Stimme durch ihre Köpfe hallte. Louise blieb vor Verblüffung der Mund offenstehen. Er hiess sie als Kapitän der Camelot willkommen und wies sie an, ruhig zu sein, um das Schiff nicht zu gefährden. Sofort erstarb jedes geistige Murmeln im Raum. Die blauen Lichter gingen aus und alle standen im Dunkeln. Dann fing das Milchglas an, langsam klar zu werden und den Blick nach draussen frei zu geben. Louise wurde leicht schwindlig, als sie nach unten sah. Durch das Glas hindurch sah sie Versailles. Sie schwebten in einem riesigen Raumschiff direkt über dem Schloss und hatten dabei dieselben Ausmasse. Louis drückte ihre Hand und zeigte seitlich nach draussen. Sie hob den Kopf und sah in den dunklen Nachthimmel hinaus, der sich bedrohlich bewegte. «Sie kommen», drang plötzlich eine Stimme leise durch den Raum. Louise schaute in die Richtung und erkannte im Sternenlicht eine Frau. Auch sie war in Uniform, sass aber mit geschlossenen Augen am Tisch. Es war Nicil la Pierre. Louise kannte sie aus Versailles und wusste, dass sie Gedanken über weite Strecken lesen und manipulieren konnte. Wer kam? Louise beobachtete den Himmel und erstarrte. Sie waren es!

 

Sie kamen, die Herrscher der Käfer. Es sah am Himmel aus, wie eine Spinneninvasion. Die Raumschiffe hatten Beine, die sich bewegten und damit langsam auf die Erde zu krochen. Es waren tausende von Schiffen, die das ganze Firmament zudeckten. Die Luft fing an zu beben und verdichtete sich auf eine merkwürdige Weise. Einige Fenster der Camelot zeigten Bilder von Paris. Die Menschen sahen die Schiffe nicht, obwohl sie inzwischen gut sichtbar waren. Scheinbar hatten die Käfertypen einen Tarnmodus aktiviert, sodass sie unbemerkt agieren konnten. Louise fröstelte und klammerte sich an Louis, der sie fest umarmt hielt. Würden sie heute sterben? Würde diese Flotte sie jetzt vernichten? Ein Spinnenschiff flog direkt auf die Camelot zu. Die Vampire standen erstarrt da und warteten auf das Unausweichliche, als das Schiff vor ihren Augen explodierte. Louise zuckte erschrocken zusammen. Dann flog das nächste Schiff in die Luft und löste eine Kaskade von Explosionen aus. Fasziniert starrten alle in den Himmel. Es waren Lichtblitze und eine Farbengewalt, die leicht an Silvester erinnerte. Nur gingen die Explosionen um den halben Erdball. Es dauerte über eine Stunde, bis alle Spinnenschiffe zerstört waren.

 

Louise schaute irritiert in der riesigen Halle herum. Wer war das? Niemand von ihnen hatte solche Fähigkeiten und die Camelot hatte keine Waffen. Langsam wurde die riesige Halle wieder beleuchtet, als Louis Marie Anns Namen rief und auf Nicil la Pierre zulief. Erst jetzt sah Louise den kleinen Pool hinter dem runden Tisch. Darin war ihre kleine dreijährige Tochter in den Armen von Katress und klatschte begeistert in die Hände. Und jedesmal, wenn sie das tat, explodierte wieder etwas am Nachthimmel. Louise und Louis sassen neben ihrer Tochter und Katress im Pool. Alle freuten sich, dass die Bedrohung vorbei war und sie die Gefangenschaft dank Merlinea und Katress überwunden hatten. Die Stimmung war fröhlich, auch wenn das für Vampire etwas ungewöhnlich war. Louise hatte noch eine Menge Fragen und wollte damit zu John gehen, als sie Weika eine Warnung rufen hörte. Alle sahen aus den riesigen Fenstern und sahen sie. Dort wo vorher die Spinnenschiffe explodiert waren, waren nun tausende von kleinen schwarzen Nebeln am Himmel, die aussahen wie Schatten. Sie sanken langsam auf die Erde hinunter. Auf dem Bildschirm, der Paris zeigte, war deutlich zu sehen, wie kleine schmale Wolken auf die Menschen trafen und in sie eindrangen. Die ruckten nur kurz, und machten mit ihren Tätigkeiten weiter. Nichts hatte sich verändert, ausser, dass etwas in ihren Augen glitzerte, was vorher nicht da war.

 

Louise sass im Wasser und hielt die Hand schützend über ihren Bauch. Er war da. Sie war wieder schwanger mit Louis Junior. Diesmal hatte sie Angst, denn die Feinde waren ihnen gefolgt. Die Invasion der Erde hatte begonnen.