Mini-Krimi - Verbrannt!

Erschüttert standen die Hausbewohner auf der Wiese vor dem Haus, als der Zinksarg an ihnen vorbeirollte. Trotz der Wärme des Spätsommers fror Rosi. Sie zog ihre Jacke enger um die Schultern. Hanna war tot. Sie schaute dem Sarg besorgt hinterher. Er rumpelte laut auf den Pflastersteinen, so als wolle er für seinen Gast protestieren. Rosi zückte ihr Taschentuch, um die Tränen fortzuwischen. Durch den Tränenschleier beobachtete sie, wie Hanna mit dem Krankenwagen auf ihre letzte Reise ging. Dann quietschte die Haustür erneut. Der Tierrettungsdienst trug die schwer verletzte Katze aus dem Haus. Das Tier hatte starke Verbrennungen erlitten, konnte aber gerettet werden. Für Rosi ein kleiner Lichtblick am dunklen Horizont. Sie wollte zurück in ihre Wohnung. Aber die Hausgemeinschaft musste noch eine Weile ausharren. Die Polizei stellte allen die obligaten Fragen. Rosi schüttelte den Kopf. Diese Quälerei fand sie unnötig. Schliesslich war Hanna einem Unfall zum Opfer gefallen.

 

Kommissar Walter Müller liess sich die Aussagen der Bewohner durch den Kopf gehen. Die Sache schien klar zu sein. Hanna Maler hatte in ihrer Küche Speck gebraten. Laut der Aussagen machte sie das immer im englischen Stil. Das heisst, die Pfanne war randvoll mit Öl gefüllt, so dass der Speck darin schwimmen konnte. Während des Kochens schien ihr die Katze in die Beine gefahren zu sein. Frau Maler war über achtzig Jahre alt und hatte nicht mehr den besten Stand. Das Tier brachte sie mit dem Angriff zu Fall. Walter Müller kratzte sich am Kopf. Das alleine wäre für ihn noch nicht erstaunlich gewesen. Aber wie die siedend heisse Pfanne direkt auf ihrem Gesicht gelandet war, erstaunte ihn denn doch. Der Fallwinkel stimmte einfach nicht, wenn sie sie mitgerissen hätte. Er studierte wiederholt die Gesichter der Hausbewohner. Alle waren entsetzt. Einige hatten das komplett verbrannte Gesicht der Frau gesehen. Die Pfanne schlug sie bewusstlos und das heisse Fett floss unter anderem in den geöffneten Mund des Opfers. Der Kommissar schüttelte sich. Das war ein äusserst grausamer Tod gewesen, falls sie auch nur minimal etwas davon mitbekommen hatte. Nur, wie das Ding auf die Frau kam, ergab für ihn keinen Sinn. Riss die Katze die Bratpfanne herunter? Es sah danach aus, denn das Tier litt unter massiven Verbrennungen. Seufzend hakte der Kommissar das Ganze als Unfall ab, da es schlicht keine andere Möglichkeit gab.

 

Erleichtert ging Rosi in ihre Wohnung zurück. Aber sie konnte die Sache nicht vergessen und trat ans Fenster. Von hier aus konnte sie direkt in Hannas Küche schauen. Durch das grosse Fenster sah sie den ganzen Raum. Es gab keine Vorhänge. Der Fettfleck glitzerte durch die Scheibe. Rosi reckte den Hals. Tatsächlich schien neben dem Speck auch Blut darin zu schwimmen. Es war schwer zu unterscheiden, da beides eine ähnliche Farbe besass. Aber Rosi sah ohne Brille auch nicht mehr so gut. Deshalb holte sie die Sehhilfe vom Tisch und starrte nochmals in die Unglücksküche. Ja, die Katze hatte gut gezielt, als sie auf den Pfannenstiel sprang. Rosi lächelte. Es war nicht ganz einfach gewesen. Aber das Tier rannte dem Punkt hinterher. Erst auf die Beine und als Hanna endlich lag, auf den Pfannenstiel. Rosi zog die Tischschublade heraus. Zärtlich streichelte sie den einzigen Gegenstand darin. Ihren Laserpointer. Er hatte ihr wieder einmal Freude bereitet. Es war einfach herrlich, wie die Katze dem leuchtenden Punkt hinterher gehetzt war.