Mini - Humorlos!

Lässig lehnte ich mit dem Weinglas an der Bar. Das Fest entwickelte sich zu einem bahnbrechenden Erfolg. Grösser als wir dachten. Jedenfalls musste bereits der Alkohol nachgekauft werden. Wir waren die sechs, die gingen. Da wir gleichzeitig die Firma verliessen, dachten wir, es wäre eine super Idee, wenn wir den Abschied zusammen feiern würden. Die Marketing-Abteilung hatte sich auch gleich ins Zeug gelegt und einen Flyer sowie ein Poster gefertigt. Die Flyer schickten wir an unsere Abteilungen, Chefs und an die Führungsetage. Die Poster wurden überall in der Firma aufgehängt. 
 
Sämtliche Angestellte waren total begeistert. Die Neuigkeit machte die Runde, wie ein Lauffeuer. Zum grössten Kompliment für uns wurden die geklauten Poster. Jeder wollte sie haben. Die Marketing-Leute leisteten wirklich ganze Arbeit. Allerdings erwies es sich als schwierig, den grossen Sitzungssaal auf dem Dach der Firma zu kriegen. Die Geschäftsleitung sperrte zuerst deutlich. Weshalb, blieb ungeklärt. Schliesslich sind sie ja auch eingeladen worden.
 
Und schon muss ich mein Weinglas wieder wegstellen. Heute regnet es nur so Geschenke für uns. Der Tag entwickelte sich zu einem Traum. Es strömten auch immer mehr Leute in den Saal. Nicht lange und der Raum brach fast auseinander. Da kamen doch tatsächlich Leute, denen ich noch nie im Leben begegnet war. Was Werbung so alles ausmacht! Mitten im Getümmel stehend, guckte ich vergnügt umher. Nein, es liess sich kein Mitglied der Geschäftsleitung blicken. Nur ein paar mutige Chefs, wie Marco, standen da. Gut, er war jetzt ein Ex-Chef, da er das Ganze erlaubt hatte. Ich grinste vor mich hin. Er hatte sich doch tatsächlich gezwungenermassen, für uns alle, schriftlich entschuldigen müssen. Ich finde die Humorlosigkeit der Geschäftsleitung immer noch erstaunlich. War das jetzt so schlimm, dass wir um Gnade flehen mussten?
 
Gut der Flyer zeigte ein Filmplakat. Das Bild war toll. Darin hatten alle Geschäftsleitungsmitglieder einen Posten bekommen. Mein Chef, der in der Realität gerne für den unheilvollen Ton verantwortlich zeichnete, stellte deshalb den Sound-Designer. Der jähzornige Direktor unserer Firma, wurde so zum Master of special effects. Alles sehr passend, fand ich. Tja, trotzdem erzürnten sich alle vornehm und hätten uns am liebsten aus dem  Haus geworfen. Das scheiterte dann aber an der Begeisterung der gesamten Belegschaft. 
 
Ich gebe zu, wir hätten einen anderen Film für das Plakat nehmen können. Ich schaute an die Wand, wo ein grosses Exemplar hing. Der Titel des Films leuchtete in Übergrösse auf Glanzpapier: PSYCHO von Alfred Hitchcock!