Mini - Faulheit, die klügere Schwester der Effizienz

Das neue Jahr hat angefangen und die meisten haben das allseits beliebte Gespräch mit dem Chef hinter sich. Damit tobt das Haifischbecken wieder, denn die Forderungen hat man jetzt im Hinterkopf.

 

Effizienz ist das Thema. Mehr und schneller arbeiten, Probleme sofort lösen und natürlich nicht nur die Eigenen und… Wochenende und Ferien sind inzwischen relative Begriffe. Wozu hat man denn ein Handy? Dazu die permanenten Vorbereitungen für Sitzungen und andere sinnfreie Piranha-Geschichten. Dies alles natürlich wie immer schnell, kompetent und fehlerlos. Die Maschine lässt grüssen! Mal ehrlich! Wieviel Drogen braucht der Mensch, um das durchzuhalten? Richtig, zu wenig! Denn für die Menge würde das Gehalt nicht reichen. Sich dem Chef und seinen Lieblingshirnorgien zu widersetzen ist jedoch noch weniger empfehlenswert. Kurz gesagt, egal wieviel man sich bemüht und strampelt, die Probleme werden Dich SUCHEN und FINDEN!!

 

Damit ist auch schon klar, dass man sich am besten eine gegenteilige Strategie aussucht. Also Faulheit. Damit lebt es sich übrigens einiges gesünder. Wie soll das aber aussehen und unbemerkt bleiben? Zuerst muss jeder mal von der Einbildung loskommen, dass der Chef alles versteht. Das ist nämlich meistens nicht der Fall. Der Häuptling hört einfach auf die lautesten Mäuler. Somit ist man schon mal fein raus. Damit zur Arbeit. Probleme, die man eine Woche liegen lässt, lösen sich erfahrungsgemäss von selber, da auch hier ein grosser Teil nur Füllmaterial der Kollegen ist. Das gilt vor allem für E-Mails. So soll der Chef nämlich sehen, dass man viel arbeitet. Gut, der Arzt sollte nicht warten, bis der Patient tot ist, aber ansonsten… Mach es wie die Kollegen, schicke ihnen das Füllzeugs ebenfalls, damit sie glänzen können und lass Deines im Postfach sterben. Es ist ihr Klinikaufenthalt, den sie buchen. Bei Sitzungen hast Du kurz andere super wichtige Verpflichtungen oder im Notfall halt Durchfall. Die meisten Sitzungen sind sowieso Luftfürze, die man in fünf Minuten nachgelesen hat. Hier kann sogar noch die Regel unterboten werden, dass man mit 20% Einsatz 80% des Ergebnisses erzielt.

 

Und bei allem die Optik nicht vergessen. Soll heissen, immer beschäftigt und voll ausgelastet aussehen. Der gelernte Faulenzer macht dazu selbstverständlich noch professionell Pause. Das heisst unbemerkt von der Allgemeinheit. Mit diesen Strategien kann man sich übrigens die Zeit verschaffen, um am wirklich Wichtigen zu arbeiten. Seiner Karriere nämlich. Denn Tatsache ist, wer viele Stunden damit verbringt, die Ideen des Chefs zu befriedigen, hat keine Zeit für die elementaren Dinge. Dazu gehört auch, die Kollegen im Auge zu behalten. Aber zurück zum Anfang.

 

Wenn jeder so arbeitet, wie die Wirtschaft das vorgibt, dann brauchen wir uns über die Rentenleistungen keine Sorgen mehr zu machen, da alle vorher schon tot umgefallen sind. Es stellt sich auch die Frage, was man vom Leben hat, wenn man so exakt nach Anweisungen lebt. Die Antwort ist einfach. Du hast einen krummen Buckel und die Anderen Geld und Ruhm. Damit wären wir nochmals bei der Faulheit. Sie wird völlig zu Unrecht verteufelt. Heutzutage ist sie lebenswichtig und gleicht den Wahnsinn aus, den wir Tag für Tag durchziehen. Du glaubst das nicht? Gut, dann setz Dich nach zwei Wochen Ferien mitten im Bahnhof auf eine Bank und sieh zu. Zu Arbeitszeiten natürlich. Das einzige, was da noch wirklich lebt, sind die Spatzen, die versuchen an Dein Sandwich zu kommen. Aber genau betrachtet, sollten die eigentlich auf den Bäumen hocken und nicht zwischen tausenden von Füssen dahinvegetieren, bis sie vor Fett triefend nicht mehr fliegen können. Kannst Du noch fliegen? Damit wünsche ich allen ein gesundes Arbeitsleben.