Leseprobe Maren Hirsch - The Trumpet Player

Die Bilder wurden von der Autorin Maren Hirsch zur Verfügung gestellt.

"The Trumpet Player" Musik Leidenschaft & Crime in Frisco, von Maren Hirsch. Eine Gegenwartsgeschichte um eine junge Auswanderin, die es an ihren Sehnsuchtsort San Francisco zieht, um dort ihr Glück als Musikerin zu finden. Und so beginnt der einführende Klappentext:

 

„If you come to San Francisco“ - Hast du nicht gelegentlich auch diese Strophe aus dem berühmten Song im Ohr? Und dann geht sie dir lange nicht mehr aus dem Sinn. San Francisco ist für viele Menschen ein magischer Ort. Auch Katharina Moltke, Musikerin aus Berlin, will ihren Traum hier leben. Doch sie muss gleich bei der Ankunft am Flughafen erfahren, wie gefährlich es in ihrer Traumstadt sein kann. Schon geht sie einem Betrüger auf den Leim und verliert dabei alles, was ihr lieb und teuer ist: ihre Trompete und ihre Posaune. Und damit ist ihre Grundlage für einen erfolgreichen Start in der neuen Heimat erst mal futsch. Doch aufgeben gibt es nicht für die zierliche Berlinerin.

 

Leseprobe aus Kapitel1 Das Schicksal meint es doch gut mit mir Ein strahlend schöner Tag sollte Katharina eigentlich beglücken, denn sie war endlich in der Stadt ihrer Träume. Doch saß sie nicht, wie geplant, gemütlich mit Helen, ihrer Bekanntschaft aus Berlin, am Kaffeetisch in deren Haus am Russian Hill, sondern befand sich alleine und verloren am North Beach. Die Nacht hatte sie wohl oder übel in einer halbwegs geschützten Ecke am Aquatic Park verbringen müssen, da sie Helens genaue Adresse nicht kannte. Ihr Magen knurrte heftig. Kein Wunder, sie hatte nichts mehr gegessen, seit sie gestern vom Airport hierhergekommen war. Soeben stand sie an der Kreuzung Hyde und Beach Street und entdeckte auf der anderen Straßenseite ein Diner. Schon lief Katharina das Wasser im Mund zusammen. „Da geh ich jetzt rein, egal, was mich das Essen kostet. Und dann muss ich sehen, wie es mit mir nach dem Fiasko am Flughafen weitergeht“, murmelte sie deprimiert, während sie die Straße überquerte. Portia Deveraux hing mal wieder gedankenverloren hinterm Tresen des Aquatic Diners, in dem sie zweimal die Woche jobbt. Po, wie sie allgemein genannt wurde, gingen gerade ihre letzten Auftritte im Paradise Club durch den Kopf. Zeit hatte sie genug dafür, denn das Diner war gähnend leer. Obwohl es eigentlich toll lag, direkt am North Beach, war zwischen zehn und zwölf, wie schon an so vielen vorherigen Tagen, nicht viel los. Direkt vor dem Diner lagen der Aquatic Park und die Wendestation für die Cable Cars, die von der Hyde Street herunterkamen. Ein Magnet für die Touristen, die besonders im Hochsommer die Stadt in Scharen heimsuchten, doch für das Aquatic interessierte sich leider kaum einer. Das war mal ganz anders, ist noch nicht so lange her, erinnerte sich Portia und schaute versonnen durchs Fenster auf die Menschen, die achtlos vorbeigingen.

 

>>> *** Leseprobe aus Kapitel 24 Date mit Marv In der O’Farrell Street wartete Katharina nachmittags aufgeregt auf ihr Date. Marvin kam auch schon auf seiner Harley Davidson vor dem Haus an. Sie befand sich gerade mit Portia auf der Treppe abwärts, als sie seine Maschine kommen hörte. Marvin parkte sein Bike, nahm den Helm ab und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. Plötzlich lenkte Gekicher seine Aufmerksamkeit auf den ersten Stock. Die Babes hingen neugierig aus dem Küchenfenster und warfen ihm Küsschen zu. Natürlich hatten sie mitbekommen, dass Kitty heute ihr erstes Date mit dem wohl heißesten Cop der Stadt hatte. „Hey, Marv, viel Spaß“, rief Melody, begleitet von erneutem Kichern, zu ihm herunter. Sehr albern, dachte er und grinste kopfschüttelnd. Dann wandte er sich Kitty zu, die soeben durch die Haustür kam. Mit glänzenden Augen stand sie nun vor ihm, in Jeans und einem weißen T-Shirt in Übergröße. Portia hatte ihr eine Lederjacke geliehen, die sie lässig mit zwei Fingern über der Schulter hielt. „Hallo Kitty“, gab er beeindruckt zurück. Mittlerweile war Portia mit Agnes in der Tür erschienen und beobachtete die beiden neugierig. „Hey, Marv, pass mir gut auf meine neue Showpartnerin auf“, rief sie ihm fröhlich zu.

 

>>> *** Leseprobe aus Kapitel 41 Der rothaarige Racheengel Winselnd saß Bürste vor Portias verschlossenem Zimmer. Als er sie bemerkte, trottete er mit hängendem Kopf auf sie zu. Jetzt war klar, irgendetwas stimmte nicht. Katharina klopfte an und fragte: „Po, was ist los, kann ich reinkommen?“ Von drinnen drang nur ein Schluchzen zu ihr. „Portia, hallo, was ist los mit dir, alles klar?“ „Lass mich, Kitty“, antwortete diese mit erstickter Stimme und schluchzte noch heftiger. Nun wurde es Katharina zu bunt und sie ging hinein. Kaum war die Tür einen Spalt offen, stürmte Bürste auch schon zwischen ihren Beinen durch. Portia kauerte vor ihrem Bett und hielt sich ein nasses Tuch vors Gesicht. Bürste hing schon winselnd an ihr und leckte ihre Hände. „Po! Mein Gott, was ist denn los?“, rief Katharina entgeistert. „Da schau.“ Sie senkte das Tuch und Katharina konnte das Veilchen sehen, das ihr linkes Auge umrahmte. „Dave!“, entfuhr es Katharina, „Der Kerl hat dich verprügelt, stimmt’s?“ Portia nickte. „Die Show heute Abend, die Show, Kitty, so kann ich nicht auftreten! Was soll ich nur tun“, heulte sie los. „Wieso hat er das getan?“ „Ich hab ihm kurz vor Feierabend gesagt, dass ich aufhören werde. Ich hab ihm noch erzählt, dass wir jetzt eine gemeinsame Show haben.“ Ihr Bericht wurde durch einen heftigen Schluchzer unterbrochen. „Daraufhin hat er herumgelästert, wir würden uns am besten in einem Stripladen machen, wo wir sowieso hingehörten. Der hat mir nie abgenommen, dass ich eine gute Künstlerin bin, er hat immer nur gelästert.“ Sie schniefte und betastete ihr verletztes Auge. „Der hat dich übel zugerichtet.“ Kitty stand auf und ging ins Bad, um das Tuch mit kaltem Wasser zu tränken. „So, jetzt hältst du das eine Weile drauf und dann sehen wir weiter, ich hab jetzt was zu erledigen.“ In ihr reifte ein Plan. Sie ging zur Tür und griff sich vom Sideboard neben der Tür Portias Schlüsselbund. „Ich sage den Babes Bescheid, die kümmern sich um dich.“ Portia hörte noch, wie sie an Penelopes Tür klopfte und im Flüsterton mit ihr sprach. Dann eilte Kitty über den Flur davon.

 

>>> *** Leseprobe aus Kapitel 67 Es war wieder ein Sonntagabend Katharina hatte vor, ihre Lust und Freude über die vielen guten Dinge, die sie bisher in der Stadt ihrer Träume erlebt hatte, durch die Philharmoniker über die Höhen der Stadt hinauszutrompeten. Die Philharmoniker, ja, sie war so stolz auf ihr Instrument. Es hatte auf wundersame, geradezu mysteriöse Weise den Weg zu ihr zurückgefunden. Als am Lafayette Park Portias roter BMW vor dem Haus des Ehepaares Alvarez parkte, war Hakeem wieder ihr Chauffeur. Sie hatten Joseph Goldbaum zuvor abgeholt, Kitty erfüllte ihrem Freund und Gönner damit einen Herzenswunsch. Endlich konnte er das deutsche Fräulein live erleben. Immerhin war er es gewesen, der ihr mit der Satchmo ihren Start in Frisco ermöglicht hatte. Katharina ahnte nicht, dass Walt alle über ihr Konzert informiert und zum Park beordert hatte. Er hatte Portia zuvor noch eingebläut, es nicht zu petzen, denn so was konnte sie nur schwer für sich behalten. Also ging Po ihrer Freundin aus dem Weg, indem sie den Tag bei Tim verbrachte und erst spät mit ihm zum Park kam. Walt grinste verschmitzt, als er an das kleine Fräulein dachte. Was denkt die sich. Glaubt sie wirklich, wir wüssten nichts von ihren Open Air Konzerten? Warum lädt sie uns nicht einfach dazu ein? Doch Katharina wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass irgendwer Interesse an ihrer Freiluftaufführung haben könnte. Sie wollte einfach nur Musik machen, so wie früher Zuhause auf den Hügeln im Volkspark Prenzlauer Berg. Hakeem wurde in Walts Plan eingeweiht und musste versprechen, den Mund zu halten. Ihm war flau im Magen, weil er wusste, wie Katharina abgehen konnte, wenn sie auf jemanden sauer war. Doch dieses Risiko war wohl zu händeln und er musste es einfach auf sich nehmen.