Lorai im Interview mit König Louis XIV

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Interview mit  dem Sonnenkönig

 


Protagonist aus:

«Die Sonnenkönigin – Die vergessene Königin»

 

von Louise Bourbon

Ort: Versailles im Geiste

 

Interviewerin: Mademoiselle Lorai,

Protagonistin aus «Lorai»

von Le. Alex Sax

 


Lorai:  Votre Majesté, ich darf mich vorstellen. Ich bin Lorelay Hugentobler und ich stamme aus dem Buch «Lorai» von Le. Alex Sax. Ihre Autorin Louise Bourbon wünscht, dass ich Votre Majesté Fragen stelle. Damit könnte wiederum das Buch über Louise de La Vallière bereichert werden. Ich hoffe, ich erhalte dazu Ihr Einverständnis und Sie gestatten die Fragen.

 

König: À tous présent et à venir, salut, Mademoiselle, meinen Gruß. Gestattet, dass ich Euch mit Mademoiselle anspreche, Euer Nachname bereitet mir einige Schwierigkeiten. Oh, ich weiß es sehr zu schätzen, dass Ihr Fragen stellt, bevor Ihr über mich berichtet. Die meisten tun das einfach umgekehrt.


Lorai: Herzlichen Dank für die Mitarbeit. Ich freue mich, über die Grosszügikeit Ihrer Majestät. 


König: Großzügig? Qui, moi? Pardon, diese Eigenschaft scheine ich in den letzten 300 Jahren der Geschichtsschreibung verloren zu haben. Ich bin mir aber sicher, dass ich sie einmal besessen habe.

 

Lorai: Sie sind im Buch von Louise Bourbon wieder auferstanden. Fühlen Sie sich nun eher tot oder lebendig?

 

König: Überaus lebendig, vielen Dank! Bis ins Mark nahezu.

 

Lorai: Haben Sie das Buch gelesen und wenn ja, wie finden Sie es?

 

König: Mademoiselle, ich muss das doch nicht lesen. Ich habe meiner Autorin gesagt, was sie schreiben soll. Leider ist sie in dieser Hinsicht nicht ganz so folgsam. Manchmal schreibt sie tatsächlich, was sie möchte. Dann muss ich mir den Gatten der Dame zum Gefährten machen. Ich bin meiner Autorin zu tiefem Dank verpflichtet. Denn ihr gelingt es, unsere wahre Geschichte auferstehen zu lassen. Und offenbar so gut, dass Menschen Bilder in den Köpfen entstehen. Ich freue mich, dass sie sich von Äußerlichkeiten nicht blenden lässt, sondern bis in Herz, Seele, Geist vordringt. Manch einer, der bisher gelesen hat, hat es Literatur genannt. Ich muss dem zustimmen. Das Buch ist Literatur.

 

Lorai: Wie würden Ihre Widersacher auf den Inhalt des Buches reagieren?

 

König: Widersacher? Ich habe Widersacher? Das ist schlecht. Ich dachte tatsächlich, die seien alle tot. Aber vielleicht könnte man die Überlebenden den Vampiren Eurer Autorin zum Fraß vorwerfen. Oder in Bienenwachs wälzen. Pardon, ich schweife ab. 

 

Lorai:  Gehen wir kurz in die moderne Welt. Hier wären Sie heute ein A-Promi. Mit dem Namen the Sun King wären sie heute möglicherweise ein Rapper. Welche Texte würden Sie zu Rapp verarbeiten?

 

König: Pardon für die Unterbrechung. Da musste ich zunächst meine Autorin befragen. Leider weiß sie mit diesem Begriff auch nichts anfangen, die Dame lebt manchmal ein wenig in der Vergangenheit. Ich ziehe Google hinzu. Beziehungsweise Altavista.  Das ist zumindest Spanisch. Natürlich würde ich nach wie vor die schönen Augen meiner Frau besingen. Und ihre rosenblättrigen Lippen. Und ihren Geist. Und noch einige andere Dinge mehr, aber darauf nun einzugehen, das wäre indiskret. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass ich mich sehr lebendig fühle. Bis ins Mark.

 

Lorai: Wären Sie heute ein Demokrat, ein Anhänger der Monarchie oder gar ein Revolutionär?

 

König: Pardon, Ma chère, was ist denn das für eine Frage. Ich wäre selbstverständlich Autokrat. Und nun kann das gebildete Publikum herausfinden, wo der Unterschied zwischen Monarchie und Autokratie liegt. Denn ich fürchte, letzteres wirft man mir vor. Da hat manch einer etwas nicht verstanden.

 

Lorai: Napoleon Bonaparte fand kein gutes Ende. Wie sehen Sie aus heutiger Sicht seine Leistung?

 

König: Bona-Wer? Reicht man das zu Baguette und Käse?

 

Lorai: In den heutigen Geschichtsbüchern wird Ihnen Verschwendungssucht vorgeworfen. Woher kommen diese Anschuldigungen und von wem?

 

König: Oh, das ist eine sehr gute Frage. Wenn Ihr den Schuldigen findet, Bitte liefert ihn mir doch aus. Aber meine Autorin war so freundlich, mir einige Dinge über die Geschichtsschreibung eurer Welt zu verraten. Sie war auch so freundlich, diesen Gerüchten nachzugehen und hat sich tatsächlich die Mühe gemacht, die Ausgaben meines Staatshaushaltes nachzuprüfen. Wie sagte sie kürzlich noch: wäre ein jeder der Haushalte heutzutage so ausgeglichen wie der französische damals, ginge es dieser Europäische Union nicht so schlecht, zumal die heutigen Steuersätze offensichtlich fast doppelt so hoch sind wie die zu unserer Zeit. Sagen wir, wenn ich einen maximalen Steuersatz von 50 % festgelegt hätte, hätte ich die Nachbarstaaten kaufen können. Im Übrigen hätte man diese Union viel früher haben können. Aber irgendwelche Spielverderber kamen mir mit diesen spanischen Erbfolgekrieg.

 

Lorai: Sie haben zweimal geheiratet. Ihre zweite Frau haben Sie schon getroffen, während die erste noch mit Ihnen verheiratet war. Ist das nicht ein wenig unmoralisch?

 

König: Ma chère, ganz korrekt ist diese Frage ja nicht. Ich traf meine zweite Frau, als an die erste noch gar kein Gedanke war. Ich möchte sagen, dass diese erste Blick einen Funken entfachte, der bis heute brennt und nie  erlöschen wird. Da es ohnehin im zweiten Band erscheinen wird, kann ich das schon verraten: nach unserer ersten Begegnung habe ich täglich an meine zukünftige Frau denken müssen. Sie beherrschte mich, damals schon. Und so ging ich zu ihr, ein Jahr nach unserer ersten Begegnung, auf dem Weg nach Spanien, um besagte erste Frau nach Hause zu holen, und trug Louise die Ehe an. Ja, ich hätte alles null und nichtig gemacht. Die Friedensverträge mit Spanien, an die meine erste Ehe geknüpft war. Doch meine zukünftige Frau war vernünftiger als ich. Sie erinnerte mich an meine Pflicht und an meine Aufgabe. Was soll ich sagen? Ich liebte sie danach noch mehr. Moral ist im übrigen anerzogen oder durch Gesetze  erschaffen. Gegen den letzten Fall habe ich übrigens nichts. Dann müsste man fragen: ist es unmoralisch, seinem Herzen zu folgen? Wenn dem so ist, dann bin ich schuldig. Meine erste Ehe war ein Politikum, sie war notwendig. Bedeutet das automatisch, sein Herz verleugnen zu müssen? Wenn dem so ist, dann bin ich schuldig.  Ma chère, lasst mich eines sagen: Meine Frau ist meine Quelle. Ohne sie bin ich nichts. Mit ihr bin ich alles. Nec pluribus impar. A nul autre pareil. Sie ist wirklich mit nichts zu vergleichen. Sie ist das Licht meines Lebens, das Licht, dass die  Schatten vertreibt, die Sonne meines Universums. 

 

Lorai: Wenn wir schon bei der Moral sind, muss ich Sie fragen, hatten Sie eine Liaison mit Madame de Montespan, wie es in den Geschichtsbüchern behauptet wird?

 

König: Pardon, aber das ist ja dégoutant. Alleine die Vorstellung zeigt mir erneut, wie lebendig ich bin. Denn es hebt sich mir der Magen. Ausschließlich. Wahrscheinlich ist es ihr zu verdanken, dass man in Eurer Zeit annimmt, wir hätten uns nicht gewaschen. Für sie trifft das durchaus zu. Innerlich und äußerlich beschmutzt. Eher hätte ich mir meinen Dolch in die Eingeweide gerammt. Oder in mein Herz.   Darf ich pathetisch werden? In Eurer Zeit sagt man ja gern, unsere Sprache sei sehr schwülstig. Das ist sie nicht, sie ist voller Empathie. Und voller Pathos sage ich Euch, dass ich nie eine andere liebte und begehrte als Louise, meine Frau. Und wenn ich gezwungen war, meiner Verantwortung gegenüber dem Staat zu genügen und dies bedeutete, der Gatte meiner ersten Frau sein zu müssen, dann gelang dies lediglich, indem ich an meine zweite dachte. Verzeiht die Offenheit. Im übrigen hatte ich mit keiner der genannten Damen eine sogenannte Liaison, auch wenn einige anderes behauptet haben. Aber man bezichtigt eine Dame nicht der Lüge. Ich habe unter vielen Dornen die einzige Rose in meinem Garten gefunden. Ihr gilt meine Liebe und meine Treue.

 

Lorai: Hat sich Ihre zweite Frau Louise gegen Sie behaupten können, oder musste sie nur gehorsam sein?

 

König: Selbstverständlich! Ich habe ihr regelmäßig im Falle von Ungehorsam mit der Bastille gedroht. Oh, bitte. Nehmt an dieser Stelle auf, dass ich gerade in schallendes Gelächter ausgebrochen bin. Meine Frau und Gehorsam, das ist ein Antagonismus. Oder eine contradictio in adiecto. Ma chère Louise hat zwar in ihren Ehegelübde Gehorsam geschworen, aber es war wohl der Teil, der einzuhalten ihr am schwersten gefallen ist. Niemals, das ist wahr, hätte sie sich in der Öffentlichkeit gegen mich gestellt. Aber das hinderte sie nicht, mir in Zweisamkeit ihre Meinung kund zu tun. Ich entsinne mich, dass ich einmal eine Entscheidung traf, die ihr gar nicht gefiel, ich sah es an ihren Augen. Nun, als ich mich abends in unsere Gemächer begeben wollte und im Vorzimmer angelangte, warnte mich der Kammerdiener vor, Madame sei etwas in Rage. Oh Ha, dachte ich, dann zieh ich mich lieber für eine Stunde zurück. Denn Madame gerät selten in Rage, aber wenn, dann sollte man ihr aus dem Weg gehen. Das versuchte ich also durch einen der Versorgungsgänge. Ich entschlüpfte also durch eine geheime Tür, lachte mir bereits ins Fäustchen - und stehe vor meiner Frau, die mich mit hochgezogener Augenbraue ansieht. Quo vadis, mon cher époux, sagt sie, es steht weder dem Ehemann noch dem König gut zu Gesicht, eine Auseinandersetzung zu scheuen. Erwischt. In vielerlei Hinsicht. Nun, ich hoffe, meine Frau erhält ihren eigenen Fragebogen. Dann könntet ihr sie fragen, woher die Narbe an meiner Augenbraue stammt. Das ist eine wunderbare Antwort zum Thema Gehorsam. Und, Ma chère, wir sind ja unter uns: sie ist die einzige Person, mit der ich mich noch nie gelangweilt habe. Menschen, die mir stetig nach dem Mund reden, schätze ich nämlich gar nicht. Wenn ich  das wollte, könnte ich mich auch mit meinem Spiegelbild unterhalten. Spiegel gibt es dazu ja genug. Alternativ könnte ich einen Papagei aus den Kolonien importieren.

 

Lorai: Was haben Sie alles angestellt, um die unverheiratete Louise de La Vallière zu treffen? Und wie haben Sie es als verheirateter Mann geschafft, sie rumzukriegen?


König: Oh, Mademoiselle, ich hoffe, ihr habt genügend Zeit mitgebracht. Rumkriegen, so so. Meine Frau würde auf einen solchen Ausdruck  antworten: man kriegt mich nicht  herum, man erobert mich. Glaubt mir, Mademoiselle, es war alles andere als einfach. Sie zu treffen, das war einfach. Schließlich war es leicht für mich, ihre Angewohnheiten herauszufinden. So ging sie gern morgens, wenn sie nicht mehr schlafen konnte, in der Einsamkeit im Park spazieren. Oder sehr spät abends. Eigentlich war es verboten, aber ich habe Wert darauf gelegt, dass man ihr das nicht so deutlich sagte. Dann war ich immer ganz zufällig da, wo sie war. Im besten Falle tatsächlich in der Einsamkeit. Die Demoiselle de La Vallière verhielt sich immer strikt ihrem Rang angemessen, was bedeutete, dass sie mich fast ignorierte, wenn ich mich in Gegenwart des Hofes ihr näherte. Mademoiselle, als ich sie nach einem weiteren Jahr am Hofe wieder traf und sie mich so kalt behandelte, da hatte ich Furcht, sie könne alle Empfindungen vergessen haben. Tatsächlich fürchtete sie sich vor ihren eigenen. Zweimal ist sie geflohen, aus Angst vor diesen. Louise hat hohe moralische  Grundsätze. Die Tatsache, dass ich mittlerweile in einer Ehe gebunden war, machte ihr sehr zu schaffen. Und ich erkannte, dass ich ohne sie nicht mehr würde leben können. Ich ging soweit, ihr die Freundschaft anzubieten, wenn sie mich nicht lieben wolle. Das versuchen wir dann tatsächlich eine Zeit lang. Doch wir sind Bestimmung. Und eine Bestimmung muss erfüllt werden. Mademoiselle, Man hat damals schon eine Menge unwahrer Dinge über mich behauptet. Unter anderem sagte man mir eine nicht unerhebliche Anzahl an Damen nach, denen ich angeblich meine Aufmerksamkeit geschenkt habe. Nein, das habe ich ganz sicher nicht. Aber dieser Ruf drang auch zu meiner zukünftigen Frau, die mir darauf hin sagte, sie wolle nicht eine von vielen seien und sei auch nicht für leichtes Spiel zu haben. Ich war tief beeindruckt. Denn jede andere, wirklich jede andere hätte sich diese Gedanken nicht gemacht. Meine Liebe, ich bin nicht gut darin, große Worte zu machen. Dieser Text hier beispielsweise, er beschäftigt mich seit Tagen. Aber ich wollte meiner adorée einige Zeilen zukommen lassen, in Versform, wie es zu unserer Zeit üblich war. Ich zweifelte aber an meinem eigenen Können und beauftragte daher einen der Poeten, derer es am Hof einige gab. Der Herr tat mir den Gefallen, arbeite schnell und gut. Mit dem Herzklopfen des in Liebe entflammten Mannes ließ ich meiner Angebeteten das Papier überbringen. Sie wollte nun eine entsprechende Antwort verfassen, zweifelte unserem eigenen Können, dieses im übrigen grundlos, und griff zur gleichen List. Sie beauftragte einen der Poeten, Ihr ahnt, wie das ausgeht, nicht wahr? Ja, es war der gleiche. Daraus haben wir gelernt und künftig unsere Verse selbst geschrieben. Von diesem Augenblick an jeden Tag übrigens.  Und dann entdeckte ich, dass der Mann, der sich der Minister meiner Finanzen nannte, mich bestahl. Die ganze Geschichte führt hier zu weit, aber er rüstete gegen mich, und um Informationen zu erlangen, bestach er meine zukünftige Frau mit, meine Autorin war so freundlich, das auszurechnen, ungefähr 2 Millionen €. Nun, was soll ich sagen. Sie hat ihm eine geschmiert. Und auch da ist sie einzigartig. Hier bin ich mir sicher: jede andere am Hof hätte es genommen. Nun, ich musste handeln und beschloss eine Verhaftung. Das liest sich ja wesentlich leichter, als es war. Schlussendlich war es eine Art Mann gegen Mann. Wenn er es erfahren hätte, hätte ich schlechte Karten gehabt. Meine zukünftige Frau wusste als einzige von allen diesen Vorgängen. Und offensichtlich war der Gedanke, ich könne dabei umgekommen, der für sie ausschlaggebende. Sie erlaubte, dass ich ihr meine Liebe gestehen und sie auch zeigen durfte. Im übrigen war es wesentlich schwerer, sie zu halten, als sie zu erobern. Ich wusste nicht, wie man einer Frau seine Zuneigung zeigt und tat es so, wie ich es gewohnt war. Oder wie ich es gesehen hatte. Ich überhäufte  sie mit Schmuck, beispielsweise. Sie schickte ihn fast ausnahmslos zurück. Ich geriet ein wenig in Zorn, das gebe ich gerne zu, und fragte sie, was ich ihr geben müsse, um meine Zuneigung auszudrücken. Sie sah mich an, mit ihren ganz eigenen Blick und sagte: Gebt mir etwas, was aus Eurem Herzen kommt, und nicht aus Eurer Börse. Im ersten Augenblick war ich hilflos. Dann ging ich im frühen Morgen hinaus in den Wald und pflückte ihr einen Strauß ihrer liebsten Blumen. Und ich schnitzte ihr aus Holz und Rinde einige Dinge. Als ich ihr diese selbst gemachten Dinge übergab, da hatte sie Tränen in den Augen. In Fontainebleau war es üblich, dass die Fräulein  in einem gemeinsamen Trakt untergebracht waren, der natürlich von einer Aufseherin kontrolliert wurde. Die Dame war sehr streng, Louise nannte sie immer Frau Gefängniswärterin. Nun, die Dame verbat selbst mir die Besuche, wenn sie mich erwischte, so dass ich eines Abends über das Dach zu den Gemächern der Damen geschlichen bin. Leider hat man mich dabei gesehen, wenn auch nicht erwischt. Louise fiel  fast Ohnmacht, als ich plötzlich auf ihrem Balkon auftauchte. Und war noch etwas weniger erfreut, als sie hörte, dass man begann, die Kammern zu kontrollieren. Nun, sie ist ja klug. Sie hieß mich, mich unter ihrem Bett zu verstecken, und zog selbst ihrem Sessel vor die  Kleidertruhe. Zudem gab sie sich adäquat Mühe, aufgeregt zu wirken. Natürlich hat man die Truhe durchsucht, auf die Idee, unter dem Bett nach zu sehen, ist keiner gekommen. Pardon. Das war jetzt keine Antwort auf die Frage, das war ein Roman auf die Frage. Aber man sagt ja, alte Menschen seien geschwätzig. Und ich bin ja sehr alt. 

 

Lorai: Wie finden es Ihre Kinder, dass Ihr Liebesleben heute so in der Öffentlichkeit steht?

 

König: Sagen wir, unsere Kinder sind mit der Öffentlichkeit groß geworden. Das ist in einer solchen Position so, und das gilt natürlich auch für die königlichen Kinder. Dennoch nehme ich an, dass es für Kinder kein angenehmes Thema ist. Gemeinhin sind Geburt und Tod die Dinge, über die man meistens nicht besonders viel wissen möchte, nicht wahr? Schlimmer ist dies übrigens für meine Frau. Denn nicht erst heute steht es in der Öffentlichkeit, in unserer Zeit war das auch schon so. Man ist uns gefolgt, hat uns beobachtet bei den intimsten Verrichtungen. Und manch einer hat seine Erkenntnisse, ob selbst erlangt oder durch Dritte, in nicht besonders schöne Worte gefasst. Oder in Zeichnungen. Ich war häufig damit beschäftigt, sicherzustellen, dass meine Frau ein solches Machwerk  nicht  zu Gesicht bekommt. Denn wenn es so war, ergriff sie Trauer und Unverständnis gegenüber den Menschen, die ihr ein solches zugefügt haben. Für Louise war es schwer. Sie hatte eine unbeschwerte Kindheit, zumindest, bis ihr Vater verstarb. Und dann hatte sie doch zumindest eine private Kindheit. Hier am Hof ist nichts privat - oder nur sehr mühselig.

 

Lorai: Überhaupt haben Sie viele Kinder. War damals Geburtenregelung kein Thema?

 

König: Natürlich! Was denkt denn Ihr, wir leben doch nicht in Preußen. Das war sehr geregelt. Ich habe sie gezeugt, meine Frau hat sie empfangen und geboren. Das ist doch sehr geregelt.

 

Lorai: Wie stehen Sie grundsätzlich zur Kirche und den Kirchendienern? Das frage ich, weil Ihre Frau im Kloster war. Ein höchst erstaunlicher Umstand, der Fragen aufwirft.

 

König: Mademoiselle, wisset bitte, dass ich gläubig bin. Das war ich und bin ich. Nicht, wie es meine Frau ist, sie ist gläubiger als ich, aber ich habe immer einen Glauben gewonnen und erhalten. Der katholische Glaube liegt mir mehr als jeder andere, und glaubt mir, ich habe mich mit den anderen auseinandergesetzt. Leider sagen meine Erfahrungen aber auch, dass die Kirche zunächst eine Institution ist, die ihre eigenen Interessen verfolgt. Zu unserer Zeit war der Papst nicht nur kirchlicher Fürst, sondern auch weltlich. Er hatte eine Armee und konnte in Kriegsvorgänge eingreifen. Das machte ihn bisweilen tatsächlich zu einem Gegner. Deshalb muss man das strikt trennen. Die Kirchendiener? Mon Dieu. Wie in  jedem Angestelltenverhältnis gibt es solche und solche. Diejenigen, die Wasser gepredigt und Wein getrunken haben, sie waren mir verhasst. Warum meine Frau im Kloster war, das sollte nach Lektüre des Buches klar sein. Aber wenn es weitere Fragen aufwirft, könnt Ihr sie gerne stellen. Aber vielleicht möchtet Ihr wissen, wie es gelang, sie dort heraus zu lösen? Nun, im Geschichtsbuch würde man es die gallikanischen Gesetze nennen. Damit ist der französische König der Oberherr über die französische Kirche. Aber ich habe das definitiv geschickter angestellt als mein englischer Kollege. Ihm ist es ja gelungen, eine Kirchenspaltung auszulösen. Da war ich dann doch etwas zurückhaltender. Aber hat die Geschichte nicht Humor? Ich tat es auch für meine zweite Frau. Denn damit konnte ich auch Gelübde lösen. Das tat ich. Ich habe sie selbst von ihrem Gelübden entbunden. Sie sagte mir einmal, ich hätte da großen Mut bewiesen. Mut? Ich weiß es nicht. Ich liebe sie und wollte meine Frau zurück. Sie ist mein Herz und meine Seele, meine Liebe und mein Leben. Amen. 

 

Lorai: Wen würden Sie heute noch Köpfen lassen, wenn Sie könnten?

 

König: Ma chère, was bringt Euch auf den Gedanken, ich hätte gerne köpfen lassen? Wahrscheinlich hat das wieder irgend ein sogenannter Historiker behauptet. Mademoiselle, ich bin nicht der Meinung, dass eine solche Vorgehensweise probates Mittel ist. Ich bin da sogar eher empfindlich. Meine Frau würde nun erzählen, dass ich jedes Mal, wenn ich gezwungen war, ein solches Urteil zu unterzeichnen, mich zum Abschluss übergeben habe. Pardon, das ist unappetitlich. In Eurer Zeit spricht man nicht mehr offen über Körperfunktionen.

 

Lorai:  Da es heute keinen König mehr gibt in Frankreich, welchen Beruf würden Sie ausüben, wenn Sie wieder am Leben wären?

 

König: Emeritierter Monarch. Ihr würdet wahrscheinlich Rentner dazu sagen. Eine wunderbare Idee, ich werde meine Autorin veranlassen, beim französischen Staat eine Rente für mich zu beantragen. Bei 72 Dienstjahren dürfte einiges zusammenkommen. Außerdem ergibt sich aus Ihrer Frage eine weitere: wie definiert Ihr Leben? Wie ich schon sagte, fühle ich mich außerordentlich lebendig. Bis ins Mark. Oder Glied.

 

Lorai: Welchen Poeten mögen Sie am meisten und weshalb?

 

König: Racine. Er hat die menschlichen Gefühlswelten und die Tragiken sehr gut erfasst. Man sollte seine Stücke etwas genauer lesen. Er hat viel von unserer Geschichte eingearbeitet, ebenso wie Maître  Perrault. Dieser hat es allerdings in  etwas leichteren Stoff gefasst.

 

Lorai: Welches Land würden Sie heute noch gerne überfallen, wenn Sie könnten? Und warum?

 

König: Belgien. Meine Frau bevorzugt die Waffeln von dort, allerdings nicht die Schokolade, sie ist ihr zu süß. Aber ernstlich, meine Liebe. Ich überfalle nicht, ich erkläre ordnungsgemäß den Krieg. Das ist doch schon ein kleiner Unterschied. Zudem sollte dieser immer das letzte Mittel sein. Denn, wenn ich kurz ernst werden darf, jeder Sieg ist sehr teuer erkauft. Er kostet Menschenleben.

 

Lorai: Meine Autorin Le. Alex Sax, lässt regelmässig die Widersacher von Ihnen und Ihrer Frau explodieren oder fressen. Befürworten Sie das oder würden Sie eine andere Möglichkeit der Beseitigung wählen?


König: Nein, beide Methoden sagen mir sehr zu. Sie sind effizient und hinterlassen keine Spuren. Und die Art und Weise, wie man heute etwas explodieren lassen kann, ist sehr wissenschaftlich. Im übrigen danke ich Eurer Autorin sehr, dass sie uns in dieser Weise unsere Widersacher vom Halse schafft. Ertränken wäre übrigens unangenehm, es könnte dem armen Bayern-König Unannehmlichkeiten bereiten. Und das wollen wir nicht. Im übrigen hat mir der Gastauftritt als Wolke in einer der Geschichten sehr gefallen. Beim nächsten Mal würde ich mir allerdings ein paar zusätzliche Fähigkeiten wünschen. Feuerspeien beispielsweise wäre nicht schlecht. Oder, um beim überlieferten Bild zu bleiben, vielleicht könnte ich Strahlen aussenden. Sonnenstrahlen selbstverständlich. blendend.

 

Lorai: Votre  Majesté, Sie haben eine reizende Autorin, die ihr Leben Ihnen gewidmet hat. Was möchten sie ihr gerne sagen?

 

König: Oh, die Dame ist in der Tat ganz entzückend. Leider hat sie einige Eigenschaften meiner Frau, es scheint am Vornamen zu liegen. So ist sie etwas widerspenstig und schreibt nicht immer das, was ich ihr sage. Manchmal nimmt sie gar die Position meiner Frau ein, aber ich beeinflusse dann ihren Gatten, dann ist das ganze wieder ausgeglichen. Diesen Teil hier muss er jetzt beispielsweise schreiben, sie würde sich weigern. Mehr  als die Übersetzung erlauben wir dann nicht. Was ich ihr sagen möchte? Da ich während des Schreibens in ihrem Kopf wohne, wäre es wundervoll, sie würde nicht so oft über Diäten nachdenken. Bevor es zu Missverständnissen kommt: sie meint damit nicht die Bezahlung eurer  heutigen Politiker. Ich höre das nämlich auch. In unserer Zeit wäre man ihr mit diesem Thema nicht gekommen, im Gegenteil, man hätte sie gemalt. Nach weiterer Rücksprache mit ihrem Gatten noch folgendes: die Dame sollte etwas mehr auf sich achten. Etwas mehr Schlaf täte ihr gut, zum Beispiel. Und selbstverständlich danke ich ihr, dass sie den Gedanken, die ich ihr eingebe, eine solch wundervolle Sprache verleiht. Dass sie die wahre Geschichte erzählt. Ich habe die beste  Wahl mit ihr getroffen. Das ist eine große Aufgabe, die uns erlösen wird. Ich selbst hätte das nicht so schreiben können. Ich kann nur Gesetzesentwürfe und Edikte. Beides würde wahrscheinlich kein Bestseller werden.

 

Lorai: Votre Majesté, damit sind wir am Ende des Interviews. Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Offenheit und Ihr Erscheinen in meiner Welt. Ich entbiete meine untertänigsten Grüsse. Natürlich nur, falls man das zu Ihrer Zeit so sagte. Falls ich Fehler gemacht habe, dann lehne ich als kleine Protagonistin jegliche Haftung ab. Das könnte sonst teuer werden.

 

König: Oh, hinsichtlich teuer seid bitte unbesorgt. Nach meinem Kenntnisstand ist der französische Staat pleite. Ich könnte mir also gar keinen Prozess leisten. Selbst wenn man mir die Rente bewilligen würde. Solltet Ihr meiner Frau einen ähnlichen Bogen zukommen lassen, werde ich wieder in dieser Welt erscheinen. Schließlich muss ich sicherstellen, dass sie schreibt, was ich ihr sage. Denn sie hat Gehorsam geschworen. Und meine Autorin sitzt bereits am zweiten Band unserer Geschichte. Ihr muss ich auch auf die Finger sehen. Ich glaube, ich bleibe einfach.

 

Lorai: Votre Majesté, es würde mich freuen, Sie wieder einmal zu hören.

 

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