Lorais Leseprobe - Ich mache, was ich will

Wahrscheinlich war ihre plötzliche Angst nur Einbildung. Die wollten einfach nur den Film sehen, genau wie sie.

 

In dem Moment fand Lorai sich ziemlich feige. Noch letzte Woche waren sie zu dritt, um ein Uhr morgens, in dem kleinen Wäldchen unterwegs gewesen. Völlig angeschwipst, auf dem Heimweg von der Disco.

 

Irgendwer hatte sie verfolgt. Sie hörten die Person hinter sich herschleichen. Wenn die Mädchen stoppten, dann stoppte auch sie. So ging das Spiel eine Weile, bis die drei kichernd beschlossen, dem Verfolger den Garaus zu machen. Sie zückten ihre Sackmesser, fingen an zu schreien und rannten auf ihn zu. Die Parolen, die sie dabei riefen, hätten ganz gut in eine Metzgerei gepasst. Es funktionierte tatsächlich hervorragend. Der Verfolger drehte sich hastig um und flüchtete den Weg zurück. Die Mädchen hinterher, wie Furien in ihrem natürlichen Element.

 

Am Ende des Waldstückes sahen sie es dann. Es war ein Er. Es war Er. Der Mann mit dem roten Golf. Der Mann, der Frauen jagte. Er stieg schnell ein, gab Vollgas und verschwand mit quietschenden Reifen um die Ecke. Die drei waren so euphorisch über ihren Erfolg, dass sie die Gefahr nicht wahrnahmen.

 

Und nun sass sie in diesem Kino und hatte Angst. Lorai schüttelte den Kopf, holte das Messer aus der Hosentasche und beschloss trotzig, den Film zu gucken. Komme, was da wolle. Panik wegen einem Kino voller Männer! Sie doch nicht!