Lorais Leseprobe - Der Plüschteppich im Keller

Das Ganze sah aus wie eine Schlachtbank. So stellte sich Lorai eine Folterkammer aus dem Mittelalter vor. Jetzt wurde ihr klar, wo sie sich befand. Der angebliche Club war ein Etablissement. Genauer ein Sadomaso-Club, mit allem was so richtig wehtat.

 

Und die Spritzen waren wirklich keine. Die wurden woanders reingeschoben. Genau, in den Hintern! Lorai wollte sich gar nicht vorstellen, was in der Folge hinten wieder rauskam.

 

Da sich ihre Augen langsam an das diffuse Licht gewöhnten,  konnte sie im nächsten Raum bereits die Peitschen und Seile erkennen. Auf einer Bank lag auch noch eine grosse Metallzange. Hatte die ein Handwerker vergessen oder…! Jetzt stellte sich endgültig die Frage, wie sie hier wieder rauskam.

 

Lorai sah Beat an, der stolz dastand und über seinen Club referierte. Langsam kroch die Wut in ihr hoch. Gutaussehend, von wegen. Das war nur hinterhältig, sonst nichts. Was sollte das und warum hatte er nie gesagt, was sein Club genau war?

 

Niemals in ihrem Leben würde sie hier arbeiten, nie! Harsch entfuhr ihr die Frage, was denn genau ihr Job hier sein sollte. Nicht dass sie das noch interessiert hätte, aber irgendwie musste die Angelegenheit ja auch wieder beendet werden.

 

Beat zeigte sich von ihrem Tonfall absolut nicht beeindruckt. Er schien ihm sogar sehr zu gefallen. Lorai bemerkte den Fehler sofort. Sie hatte sich wohl gerade als Sadistin qualifiziert. Jetzt war Vorsicht geboten. War er ein Sadist? Masochist wäre für sie besser gewesen, dann hätte sie ihm eine knallen und abhauen können, während er sich gefreut hätte.

 

Die Sache war nicht klar, also hörte sie ihm weiter zu. Tatsache war, dass seine Frau vorher den Laden geschmissen hatte. Also das Büro im Hintergrund, die  Clubzeitung und dass sie natürlich auch an der Bar ausgeholfen aushalf. Dann  erklärte er ihr, wie ihre Arbeitskleidung auszusehen hatte. Latex! Sie sollte einen Latexanzug tragen. Eng, vom Hals bis zu den Füssen. Da der einiges kostete, fing er an, gute Läden und ihre Preise aufzuzählen.

 

Sprachlos starrte Lorai ihn an und überlegte sich, ob sie sich strafbar machen würde, wenn sie ihm eine seiner Spritzen in den Hals stopfen würde. Der Idiot glaubte doch tatsächlich, dass sie den Scheiss machte! Lorai spürte wieder Wut aufsteigen, aber sie beherrschte sich und blieb vorerst ruhig. Als er eine Atempause einlegte, fragte sie trotzdem sauer, wieso denn seine Frau das nicht mehr machen würde. Stille.

 

Beat hatte aufgehört zu reden und sah sie dunkel an. Jetzt fand Lorai ihn definitiv nicht mehr sexy, sondern nur noch unheimlich. Er starrte sie weiter an. Seine hässlichen Augen glitzerten dabei so komisch. Die Frage war doch ganz einfach und nicht verboten. Wieso kam da nichts mehr? Sie wollte schon verlegen weiterreden, als sie kam, seine Erklärung. Sehr ruhig sagte er, dass seine Frau tot sei. Die Kuh hätte in der Badewanne den Kopf aufgeschlagen.