Des Königs Interview mit Lorai - Humor ohne Grenzen

 

Interview mit Mademoiselle Lorai
 


Protagonistin aus «Lorai»

von Le. Alex Sax.

 

Ort: Versailles im Geiste
 


Die Fragen werden gestellt durch:

 

Sa Majesté le Roy Louis XIV dit le Roy Soleil, Protagonist aus «Die Sonnenkönigin - Frankreichs vergessene Königin» von Louise Bourbon

 

 

Le Roy: Bonsoir, Ma chère, wir beide hatten ja bereits das Vergnügen, einander zu treffen. Seitdem meine Autorin, chère Madame Bourbon hier, die auch die Fragen für mich aufschreiben und die Übersetzung vornehmen muss, unsere wahre Geschichte erzählt, bin ich in der modernen Welt auch wieder zugegen. Allerdings bin ich nun in der glücklichen Situation, Fragen stellen zu dürfen, und darf mich an Euren Antworten erfreuen. Rechnet übrigens damit, dass ich vielleicht noch einige Rückfragen stellen werde.
 
Lorai: Guten Tag EureMajestät! Es ist mir natürlich ein Vergnügen, diesmal Eure Fragen zu beantworten. Und natürlich ist es die totale Ehre vom Sonnenkönig persönlich interviewt zu werden. Wer kann das heute schon von sich sagen.
 
Le Roy: Ma chère, das ist ja überaus freundlich. Offenbar kann ich in dieser Zeit ja froh sein, wenn man noch meinen Namen kennt. Und noch etwas glücklicher, dass ich selbst zu Wort kommen darf. In 300 Jahren kann man ja sehr viel Unsinn schreiben, habe ich festgestellt. Ich hätte übrigens auch noch große Freude daran, Eurer Autorin selbst noch ein paar Fragen zu stellen. Glaubt Ihr, sie würde sich darauf einlassen? Im Gegenzug könntet Ihr Madame Bourbon hier noch ein wenig mit Euren Fragen beglücken. Ich weiß zwar nicht, ob ihr das so behagen wird, aber in dieser Hinsicht hat sie gar nichts zu sagen.
 
Lorai: Die Frage amüsiert mich. Ich sage einfach mal ja dazu, dass Ihr meine Autorin interviewen wollt. Ich habe sie nicht gefragt, aber sie soll ruhig auch in den Genuss von zusätzlicher Arbeit kommen. Tja und was Eure Autorin zu mir sagt, dass müsst Ihr sie selber fragen. Ich wäre natürlich entzückt.
 
Le Roy: Ma chère, das frage ich die Dame nicht, das bekommt sie einfach befohlen.
 
Lorai: Wie cool ist das denn! Ich sehe schon, die Königswürde hat so ihre Vorteile.
 
Le Roy: Lasst mich mit einem Wortspiel antworten: absolument. Erfreulich übrigens, dass Ihr Euch in mein Schloss bemüht habt. Die Schweiz ist ja leider für Leute mit meinem Berufsstand kein besonders bequemes Land.
 
Lorai: Das ist wahr. Unsere Burgen sind kalt und zugig.  Also so richtige Rheumakästen halt. Dafür haben wir den Wirtschaftsadel, der jetzt die Krone trägt. Die sind meist nicht sehr vornehm, dafür schön gierig. Aber ich bin überzeugt, dass die gerne ein Büro im Stile von Versailles hätten. Nur die Putzfrauen könnten sie sich dann nicht leisten. Dafür hätten sie einen Parkplatz. Sowas gehört ja bei uns zu den Raritäten.
 
Le Roy: Ha, meine Liebe, könnt Ihr bei Gelegenheit bitte nachsehen, ob das Stammschloss unserer lieben Erbfei... - autsch, wieso klopft mir meine Frau mit dem Fächer auf die Finger? - äh, Freunde, der Habsburger noch steht? Rheumakästen, so so. Erklärt bei den Habsburgern einiges.
 
Lorai: Ist das eine Fangfrage, Eure Majestät? Da meine Autorin Schweizerin ist, bin ich das automatisch auch. Und damit waren die Habsburger unsere Herren. Zumindest eine Zeit lang. Anders ausgedrückt, es ist mir ziemlich lollo, ob diese Kästen noch stehen. Da können sich gerne die Habsburger darum kümmern.

 

Le Roy: Und ich dachte, ich hätte die... Lassen wir das besser.
 

Lorai: Da wart Ihr wohl nicht gründlich genug, Majestät.
 
Le Roy: Ich bin manchmal zu nett, wisst Ihr. Also, natürlich nicht offiziell. Offiziell bin ich nie nett. (Anmerkung der Frau, die das hier aufschreiben muss: Uwe, Pardon, ich fürchte, er liest im Netzwerk mit.)
 
Lorai: Wieso Männer nicht nett sein wollen, erschliesst sich mir gerade nicht. Aber ich habe mich bei Uwe ja schon daran gewöhnt. Gut, dann halt zur nächsten Frage.
 
Le Roy: Ihr habt Euch mir als Mademoiselle vorgestellt, Ihr berichtet aber in Rückblicken über Euer Leben. Seid Ihr eine alte Jungfer?
 
Lorai: Alt ja, Jungfer eher nein! Ich glaube, ich muss Euch diesen Sachverhalt nicht näher erläutern. Davon abgesehen ist das Angebot in meinem Alter leicht beschränkt. Entweder fallen die Herren schon bald tot um, oder sie haben den zweiten Frühling, was die Sache auch nicht besser macht. Tatsächlich ist es heutzutage auch sehr zeit- und kostenintensiv, sich einen Mann zu halten. Ein Haustier ist da erheblich günstiger.
 
Le Roy: Ach, schade, auf eine genauere Erläuterung hatte ich gehofft. Mademoiselle, Ihr sollt nicht den Mann halten, sondern er Euch. Diese modernen Zeiten sind etwas seltsam. Ist ein Haustier nicht etwas langweilig? Es (wider)spricht nicht, trägt nichts zum Haushalt bei, aber will gefüttert werden - äh, ich gebe zu, manche Männer sind ähnlich. Ich natürlich nicht.
 
Lorai: Ich sag es mal so! Wenn man Wikingern begegnet, die sich als Buchhalter entpuppen und im Gegenzug Romantiker trifft, die hormonell durchdrehen, dann ist ein Meerschweinchen die bessere Wahl. Und der Rest meiner Geheimnisse diesbezüglich, kennt auch meine Autorin nicht unbedingt. Welch ein Glück!
 
Le Roy: Das rettet zumindest vor einer unbequemen Schwiegermutter. Da sitzt Ihr jetzt auf dem Altenteil und müsst trotzdem noch arbeiten und beispielsweise Interviews mit skurrilen Leuten führen, denen ihre Vergangenheit keine Ruhe lässt. Ist die Bezahlung durch Eure Autorin wenigstens anständig?
 
Lorai: Och das ist nicht so schlimm. Ich lebe ja nur noch im Buch, wobei ich am Anfang ja schon sterbe. Am Schluss bin ich dann tot. Also insofern ist das kein Problem. Gut, die Zeit dazwischen dauert etwas, weil meine Autorin mit den Korrekturen nicht in die Gänge kommt. Sie ist ein wenig faul, wenn ihr versteht. Aber bis zum Grabstein dauert es nicht mehr so lange, wie auch schon.
 
Le Roy: Ma chère, wieso lasst Ihr Euch nicht einfach einen Platz in einer schönen Gruft suchen? Die ist zumindest trocken. Im Gegensatz zu einem Grab. Und man kann sie sehr schön schmücken.
 
Lorai: Ja, das wäre schön! Dann könnte ich auch gemütlich herumspuken. Allerdings ist mein Neffe dermassen geizig, dass ich wohl in den Ofen komme. Das geht schneller und ist kostengünstiger. Und… er muss meinen Schmuck nicht mitbestatten. Das Zeug brennt nämlich nicht. Somit hat er eine gute Ausrede, um alles einzukassieren.
 
Le Roy: Ma chère, Ihr stellt ja gerne unverfrorene Fragen. Mich persönlich echauffiert man ja nicht so schnell, aber meine Frau, die Königin Louise, ist einige Male heftig errötet. Dann stelle ich jetzt eine. Ihr seid ja nicht verheiratet, habt Ihr nie einen Mann in Eurem Bett vermisst?
 
Lorai: Es gab nichts zu vermissen, die waren ja da. Und dann waren sie wieder weg. Also heiraten war mir immer unheimlich. Das bedeutet ja, dass man den Typen nicht mehr los wird. So Ewigkeitsgeschichten waren nichts für mich. Und heute bin ich froh, dass ich keinen an der Backe habe. So kann ich den Klappsmühlen-Tango in Ruhe tanzen und jederzeit gepflegt durchdrehen. Es stört keinen. Wie schön ist das denn!

 

Le Roy: Ach, manche Dinge machen definitiv auch noch nach Jahrhunderten Spaß. Der eigenen Tochter beispielsweise Erziehung beizubringen. Oder der Widerspenstigkeit der eigenen Frau zu Leibe zu rücken. Madame, lasst den Fächer sinken, ich bitte Euch. Mademoiselle, habt Ihr keine Angst, dass Ihr Euch irgendwann in der Ewigkeit langweilt? Ich gebe ja gerne zu, ohne die Königin Louise hier wäre das alles doch ein wenig trostlos. Nun gut, ohne sie ist alles trostlos. Immerhin gelingt es ihr, dass ich mich in über 350 Jahren noch nicht einen einzigen Tag gelangweilt habe.
 
Lorai: Ich habe ja nicht gesagt, dass ich keinen Spass habe! Nur, aufgeschrieben ist es nicht.
 
Le Roy: Euer Neffe scheint ja ein wahres Früchtchen zu sein, und jetzt offensichtlich noch Alleinerbe. Neffen können übrigens tatsächliche Plagen sein, da kann ich Euren Unmut nachvollziehen. Ich weiß ja auch um Eure Leidenschaft für alternative Tötungsmethoden. Warum habt Ihr sie nicht an eurem Neffen getestet?
 
Lorai: Weil der Mann so ignorant ist, dass er nicht mal den Mord an sich selber bemerkt hätte. Davon abgesehen ist er mehr bestraft, wenn er am Leben bleibt und sich selber aushalten muss.
 
Le Roy: Wäre ein schöner Kerker für den Herrn nicht angenehm gewesen? Selbstverständlich nicht wie diese aus der Bastille. Ich meine, die dort Eingeschlossenen hatten ja sogar Anrechte auf  Lektüre und regelmäßige Mahlzeiten.
 
Lorai: Ja, so etwas Nettes mit Ratten und sonstigen Viechern. Essen braucht er sowieso nicht grossartig, da sein Bauch für die nächste Hungersnot bestens gewappnet ist. Aber wie ich sehe, versteht Ihr durchaus etwas von Spass.
 
Le Roy: Spaß, nein, da täuscht Ihr Euch. Davon verstehe ich nichts. Ebenso wenig wie von Humor. Ich bin immer ernst, todernst sozusagen.
 
Lorai: Und ich dachte, Könige würden immer die Wahrheit sagen. Ich muss wohl doch noch einmal ein Interview mit Eurer Frau, der Königin, führen.
 
Le Roy: Meine Liebe, ein wenig bin ich jetzt bekümmert. Die Wahrheit zu sagen, ist eine große Tugend. Ich habe damals nicht unbedingt gelogen, aber viel zu viel verschwiegen. Das bedaure ich jetzt sehr. Zum Glück kommt ja jetzt alles ans Licht. Und was meine Frau angeht, sie steht Euch gerne noch einmal zu Verfügung. Sie weiß noch nichts davon, aber Ihr wisst ja, im Zweifelsfalle befehle ich das einfach. Oder ich unterstreiche mein Anliegen mit einer entsprechenden Menge an Schokolade.
 
Lorai: Oder Marzipan! Das ist die Autorenwährung schlechthin. Gut, Gummibärchen…
 
Le Roy: Ihr sagt ja von Euch selbst, dass Ihr kein Fettnäpfchen auslasst. Wie begründet Ihr das? Glaubt Ihr an negatives Karma?
 
Lorai: Nein, ich glaube an Spass, und den hat man nun mal hauptsächlich im Fettnäpfchen. Ich hatte es da aber auch leicht, da ich die Dinger nicht suchen muss. Sie springen mich automatisch an. Ein wenig wie ein Virus.
 
Le Roy: Das bringt mich zu einer interessanten Frage. Glaubt Ihr an Wiedergeburt? Und was meint Ihr, was mit Euch geschehen wird, wenn das Buch abgeschlossen ist?
 
Lorai: Falls es die Wiedergeburt geben sollte, dann habe ich wohl die Arschkarte gezogen. Einmal Planet der Affen reicht mir eigentlich. Ich habe definitiv keine Lust, nochmals 50 Jahre zu malochen, um dann genüsslich dahinzusiechen. Die Erfahrung mache ich ja gerade im Buch. Falls ich aber ein wenig herumgeistern könnte, dann würde ich das äusserst witzig finden.
 
Le Roy: Oh, dem kann ich nur zustimmen. Herumgeistern ist wesentlich spannender. Wesentlich.
 

Lorai: Oh, da müssten wir uns privat darüber unterhalten. Eine Gebrauchsanleitung für Gespenster sozusagen. Könnt Ihr mir vielleicht die Fallgruben aufschreiben? Die Vorbereitung darauf ist ja etwas schwierig.
 
Le Roy: Mademoiselle, das habe ich notiert. Was für eine interessante Idee! Im übrigen bevorzuge ich die Bezeichnung Geist. Ich bin nämlich nicht gerne Geist-los. Und so ein einfaches Gespenst könnte sich nie so lebendig fühlen wie ich. Bis ins Mark nahezu.
 
Lorai: Die Aussichten gefallen mir doch sehr! Aber glaubt mir, ich wäre ein Gespenst. Geister sind glaube ich zu seriös.
 
Le Roy: Ihr habt ja durch das Buch von Louise Bourbon meine und der Königin Louise Tochter, die Princesse Marie Anne, kennen gelernt, und verleitet die Gute zu allerlei Unsinn. Ein wenig  runzele ich übrigens gerade die Stirn. Ist das Leben mit all Euren neuen Bekanntschaften in der geistigen Welt spannender?
 
Lorai: Allerdings! Es ist doch ein Vergnügen, eine Romanfigur zu sein, und Marie Anne ist klasse. Ihre Ideen sind ab und zu so schräg, wir könnten Schwestern sein. Aber am meisten Spass macht es natürlich, ungestraft zu meucheln. Meine Autorin hat übrigens gerade ihre böse Nachbarin um die Ecke gebracht. Leider nur schriftlich. Was ich persönlich bedauere. Ich meine, dass es nur auf dem Papier war. Ihr wisst ja, dass ich ein Fan von Kerker und Köpfen bin. Das sollte echt wieder eingeführt werden.
 
Le Roy:  Man könnte tatsächlich glatt glauben, dass es da verwandtschaftliche Beziehungen gibt. Ich möchte an dieser Stelle unbedingt anmerken, dass diese schrägen Ideen selbstverständlich nicht von meiner Seite der Familie stammen. Und hoffe, dass meine Frau das gerade nicht gelesen hat.
 
Lorai: Damit wäre ich mit dem Haus Bourbon verwandt. Ich sehe, Ihr habt meinen Wert erkannt. Könnt Ihr das noch meiner Autorin beibringen? Die findet mich ja eher unmöglich, denn königlich.
 
Le Roy: Ma chère, gemeinhin erkenne ich Wert, wenn ich ihn sehe. Und was das unmöglich angeht: jede Familie hat so ihre Entgleisungen. Meistens nach ein paar Generationen.
 
Lorai:  Nun, da habe ich wohl das Meiste abgekriegt. Mit Entgleisungen  kenne ich mich super aus. Und wenn es am Schluss nur noch ums unkontrollierte Furzen ging.
 
Le Roy:  Oh, da wäret Ihr am Hof meines vermeintlichen Großvaters richtig aufgehoben gewesen! Ihr hättet mit ihm um die Wette, na Ihr wisst schon.
 
Lorai:  Was für ein sympathischer alter Herr! Majestät, es geht nichts über einen gut platzierten Furz, das  kann ich Euch versichern.
 
Le Roy: Im Leben neigtet Ihr ja dazu, alles zu ignorieren, was Euch nicht in den Kram passte. Nun müsst  Ihr Euch doch damit auseinandersetzen. Leider kann man auch in der geistigen Welt vor nichts davonlaufen. Ist das nicht schrecklich anstrengend?
 
Lorai: Ich laufe ja nicht davon, sondern der Blödsinn läuft mir hinterher. Insofern ist das Leben nicht anstrengend. Man kann es mit einem Theater vergleichen. Ich sitze da, und die Clowns rollen vor mir über die Bühne. Ich muss nur immer gucken, dass ich genug Popcorn habe, dann läuft alles bestens.
 
Le Roy:  Gibt es etwas, was Ihr aus der irdischen Welt vermisst? Süßigkeiten beispielsweise? Wie komme ich jetzt auf Süßigkeiten? Und wo ist eigentlich meine Frau?
 

 
Lorai:  Ach, da bin ich mit einer Autorin gesegnet, die alles isst, was nicht flüchten kann. Dann stehle ich mich in sie und geniesse mit. Aber erzählt ihr das nicht weiter bitte. La Dame kann es nicht leiden, wenn ich in ihrem Kopf herumspuke.
 
Le Roy:  Ha, so machen wir das auch! Insbesondere die Königin ist zur Stelle, wenn Madame Bourbon hier die Schokolade anrührt. Dummerweise werden dann aus einem Stück, äh, sehr viele Stücke, die Königin hat da echte Durchsetzungskraft. Madame Bourbon ist nicht entzückt, sie sagt, es seien schließlich ihre Hüften, auf denen das kleben bleibe. Selbstverständlich schweige ich, Madame. Verratet bitte meiner Autorin nicht, dass ich manchmal für ihre Rotwein- und Boeuf Gelüste verantwortlich bin. Die Dame kocht nämlich sehr gut.
 
Lorai: Ihre Majestät kann man also mit der Feinschmeckerei etwas erpressen? Köstlich! Ihr wisst schon, dass Ihr damit in meiner Hand seid oder? Aber keine Angst, das bleibt alles unter uns.
 
Le Roy:  Oh, jetzt bin ich wahrhaft und wirklich amüsiert. Natürlich, unter uns und diesem Internet. Erpressbar mit Feinschmeckerei? Man hat mich schon mit Schlimmerem erpresst, da habe ich Erfahrung. Dank Madame Bourbon hier sind ja die dunklen Abgründe meiner Geburt bekannt. Und da ich aufgrund einer misslungenen Zahnoperation die letzten 30 Jahre meines irdischen Lebens quasi auf Püree angewiesen war, ist das jetzt hier wahrlich ein Genuss.
 
Lorai: Also habt Ihr jahrzehntelang Babynahrung vom Löffel gelutscht und seid damit kulinarisch sehr tief geflogen. Das ist natürlich übel. Ein König ohne Biss sozusagen.
 
Le Roy: Meine Liebe, ich glaube, ein Säugling hat köstlicher gespeist als ich. Ein Säugling bekommt die Nahrung schließlich etwas angenehmer dargereicht. Und glaubt mir, es sind keine Zähne vonnöten, um Biss zu haben. Im Übrigen habe ich ja auch ein Palais, hatte aber kein Palais mehr. (Anmerkung von der Frau, die das hier alles aufschreiben muss: Palais heißt auf Deutsch Palast, aber auch Gaumen. Der königliche Zahnarzt war, sagen wir, etwas ungeschickt. Er hat bei dieser vermaledeiten Operation den königlichen  Gaumen durchstoßen.)
 
Lorai: Was Eure Autorin so alles weiss! Ist das nicht peinlich, wenn das jetzt die ganze Welt erfährt? Na gut, Ihr seid ja tot. Aber hat der Zahnarzt das Desaster überlebt?
 
Le Roy: Nun, der Welt ist das schon etwas länger bekannt. Ich muss Euch ja nicht sagen, dass die Neugier der Menschen manchmal etwas absurd ist. Politische Reformen scheinen definitiv weniger wichtig zu sein als das Verlieren der Zähne. Zudem bin ich überzeugt, dass meine Autorin hier mit allem gebührenden Respekt darüber berichten wird. Der sogenannte Zahnarzt hat das übrigens tatsächlich überlebt. Wegen eines, sagen wir, Kunstfehlers, macht man sich nicht die Finger schmutzig. Im übrigen habt Dank, ma chère. Madame Bourbon hier ist besser als der Grand Larousse. Solange man sie nicht fragt, wer dieser Han Solo ist.
 
Lorai:  Ach, es reicht völlig, wenn ich Han Solo kenne und Brad Pitt und… ach lassen wir das.
 
Le Roy: Gehen wir einmal zurück in die Vergangenheit, in unsere Vergangenheit. Ihr habt ja sowohl meine Frau als auch mich gefragt, warum wir uns nicht einfach unserer Gegner mit ein paar originellen Meuchelmethoden entledigt haben. Nun, das legt natürlich die Vermutung nahe, Ihr hättet das an unserer Stelle getan. Da muss ich natürlich fragen: wen aus der Geschichte meiner Frau und mir hättet Ihr umgebracht und wie?
 
Lorai:  Och da gäbe es so viele Möglichkeiten. Also mordtechnisch wäre Eure Zeit ein Eldorado gewesen. Kardinal Mazzarin hätte mir gefallen. Den hätte ich in den Sado-Maso Club entführt, ans Kreuz genagelt und mit der Spritze einen Einlauf gemacht. Das wäre sehr vergnüglich gewesen.
 
Le Roy: Einen Kardinal ans Kreuz zu nageln ist zumindest originell. Aber ich möchte Euch darauf hinweisen, dass die Sache mit dem Einlauf wahrscheinlich noch Vergnügen bereitet hätte. Alle weiteren Kommentare halte ich vornehm zurück. Man soll ja nicht schlecht über die eigenen Eltern reden.

 
Lorai: Na ja, ich hätte ja Katzen zu diesem Thema zu Hilfe genommen. Aber der Katzenkönig ist mächtig. Das lasse ich mal lieber.
 
Le Roy: Ha! Nicht so mächtig wie ich.
 
Lorai: Stimmt, aber er hat Zähne… man möge mir verzeihen….
 
Le Roy: Zum Glück bin ich gerade gnädig gestimmt. Abgesehen davon ist der Kerl  kastriert. Und definitiv ist es besser, keine Zähne mehr zu haben als keine... Autsch! Meiner Ehefrau genügt der Fächer nicht mehr. Jetzt hat sie mich glatt gekniffen. Die Nuss-Schokolade für meine Autorin war übrigens ganz vorzüglich. Wie komme ich jetzt auf Nüsse?  Ich schweige ja schon still, Madame.
 
Lorai: Ich frage mich gerade, wie Ihr Madame am Ohr schlab… äh knabbert. Aber das gehört wohl nicht hierhin. Das mit den Nüssen meine ich.
 
Le Roy: Madame hat mir leider eine genauere Abhandlung verboten. Zudem ist diese Welt hier wirklich nett. Man bekommt tatsächlich seine Zähne zurück. Und seine Haare. Ihr seid ja, so habe ich Euren Leseproben entnommen, selbst einigen Mördern entkommen. Seid Ihr nun in Sicherheit?
 
Lorai: Das weiss man nie so genau. Von der Sorte gibt es deutlich mehr als man denkt. Da ich aber eher geistig unterwegs bin, dürfte ein kleiner Mord an mir schwierig werden. Sogar die Buchverbrennung fällt da aus, falls meine Autorin nur ein E-Book draus macht.
 
Le Roy: Ihr müsst ja für Eure Autorin, chère Le. Alex Sax, ziemlich hart arbeiten. Was sagt Ihr, wenn ihr Eure Ruhe haben wollt? Dürft Ihr überhaupt Pause machen? Und wenn nein, könnt Ihr  nicht dieses  neumodische Zeug, diese Gewerkschaft, bemühen?
 
Lorai: Ehrlich, die Frau ist ein Sklaventreiber. Selber hängt sie am Kaffeetropf und sitzt in der Pralinenschachtel und ich… ich darf Interviews machen, damit sie ihre Homepage aufhübschen kann. Sie könnte den Quatsch ja auch selber machen. Aber nein, ich muss es tun, weil es für Romanfiguren keine Gewerkschaft gibt. Sie nutzt das skrupellos aus. So, das musste mal gesagt werden.
 
Le Roy: Darf ich das aufgreifen, falls die Dame einem eigenen Interview zustimmt?
 
Lorai:  Aber natürlich! Vielleicht könnt Ihr der Dame auch befehlen, mich in einem Bett sterben zu lassen? Wirklich, ich friere so leicht am Boden. Vor allem der nackte Hintern ist das Problem.
 
Le Roy:  Mademoiselle, ich würde Euch da wirklich gern zu Hilfe eilen. Aber wie Ihr selbst sagtet, seid Ihr Schweizer Staatsbürgerin. Da sind mir leider die Hände gebunden. Und die Königin hat mir verboten, mich auf meine alten Tage noch einmal in Auseinandersetzungen mit anderen Staaten involvieren zu lassen. Vielleicht sprecht Ihr da besser mit ihr.
 
Lorai: Tja, Könige sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Und ich fürchte, meine Autorin hat da auch eine sture Seite. Sie will sich partout nichts sagen lassen. Es ist zum Mäuse melken.
 
Le Roy: Da habt Ihr allerdings recht. In der heutigen Zeit hätte ich an diesem Posten kein Interesse mehr. Viel zu wenig Selbstbestimmung, Ihr versteht?
 
Lorai: Ich verstehe. Allerdings kommen bei den Machthabern auch wieder merkwürdige Schädeldekorationen in Mode. Es gibt da einen Herrn T. aus Amerika, der aussieht wie ein wandelndes Gebüsch. Das müsste Euch bekannt vorkommen. Also ich meine Eurer Zeit natürlich.
 

 Le Roy: Meine Liebe. Mir mit einer solchen Dekoration unter die Augen zu treten, hätte ich dann doch als Beleidigung empfunden. Wobei ich vermute, der Herr macht das aus Ablenkung. Sonst könnte man ja glatt zuhören. Und das sollte man wirklich nicht. Eure Autorin ist ja gemeinhin eine nette und liebenswürdige Person, aber Ihr, meine Gute, schlagt ja gerne über die Stränge. Wie gestaltet sich unter diesen Umständen das Zusammenleben mit Eurer Autorin?
 
Lorai: Lieb und nett? Süss! Woher habt ihr das denn?
 
Le Roy: Von meiner Frau! Sie weiß Eure Autorin sehr zu schätzen.
 
Lorai: Hmmm… ich glaube, ich muss Frau Bourbon wirklich mal ein paar Fragen stellen.
 
Le Roy: Diese Namensähnlichkeiten verwirren mich sehr. Wem jetzt genau?
 
Lorai: Oh, ich bitte um Entschuldigung. Ihrer königlichen Hoheit natürlich. Oder vielleicht auch Eurer Autorin. Ich glaube, die zwei stecken unter einer Decke, wie man so schön sagt. Und kommt jetzt nicht wieder mit Eurer Decke. Die hat damit nichts zu tun.
 
Le Roy: Ach du liebe Güte. Habt ihr tatsächlich gerade die Königin königliche Hoheit genannt? Nun gut, Ihr seid aus der Schweiz, woher sollt Ihr das wissen. Die Königin ist Sa Majesté La Reyne. Eine königliche Hoheit ist beispielsweise eine Prinzessin. Die Princesse Marie Anne beispielsweise ist eine, auch wenn sie sich nicht immer so aufführt. Und ob meine Autorin mit ihr unter einer Decke steckt, davon bin ich vollständig überzeugt. Insbesondere, wenn schon wieder die Schokolade verschwunden ist. Die Damen hecken immerzu  irgendetwas aus. Wenn sich dann noch konspirativ meine Tochter beteiligt, dann sehe ich im wahrsten Sinne des Wortes etwas alt aus. Zum Glück habe ich aber meine eigenen Verbündeten hier. Und diesen Satz mit meiner Decke habe ich wirklich nicht verstanden. Wirklich nicht.
 
Lorai: Das tut mir leid, aber mit diesen Adelstiteln habe ich es wirklich nicht so. Deshalb darf ich wohl Marie Anne duzen. Ich nehme an, sie hatte es satt, mich zu korrigieren.
 
Le Roy: Die Frage passt nicht ganz in den Kontext, aber sie interessiert mich trotzdem. Welche der vielen Erfindungen des 21. Jahrhunderts findet Ihr am brauchbarsten? Ich persönlich schätze ja kussechten Lippenstift. Zu meiner Zeit war das Zeugnis eines Kusses, den ich meiner Louise  geraubt habe, leider ja meist auch für andere sichtbar.
 
Lorai: Der Duftspray auf der Toilette, denn der rettet täglich Leben.
 
Le Roy: Von VilleRoy und Boch, hoffe ich? Die Toiletten, nicht dieses Spray selbstverständlich. Und ich weiß gerade wieder den Vorteil von Toilettenstühlen zu schätzen. Durch einfaches Wegrollen kann man sie entfernen.
 
Lorai: Die gibt’s heute noch in der Klinik. Und glaubt mir, da rettet wegrollen auch nichts. Aber gar nichts.
 
Le Roy: Eure heutige Zeit ist voll von Indiskretion, und selbst über die privatesten Dinge wird öffentlich diskutiert. Empfindet Ihr das als Kind Eurer Zeit als normal, oder würdet Ihr Euch das Ganze ein wenig diskreter wünschen?
 
Lorai: Die Frage ist doch, ob diese Indiskretionen auch welche sind oder?  Allerdings sind Autoren das grösste Übel diesbezüglich. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, die keine Beweise meiner Schandtaten gespeichert hat. Dafür wäre ich sehr dankbar, gäbe es da nicht diese Autorin.
 
Le Roy: Oh, Das ist wahr. Autoren können schon anstrengend sein. Damals hatte ich mit dieser Tratschtante, Sévigné, zu kämpfen, Himmel, hatte die eine Fantasie! Diesen Saint Simon hätte ich auch besser den Vampiren überlassen. Und heute kämpfe ich mit einer Autorin, die sich an den falschen Stellen ziert. Im Buch hängen ma chère Louise und ich beim ersten Kuss fest, weil Madame die Folgen scheut. Vielleicht könnt Ihr ihr erklären, dass wir nicht an Störche  glauben.

 
Lorai: Ihr wollt mehr Sex im Buch? So nach dem Motto schnell und direkt? Ich bin erstaunt, ich leite das aber sehr gerne weiter.
 
Le Roy: Ma chère. Nun bin ich entgeistert. Ich bin Franzose, da gibt es nichts mit schnell. Zumindest nicht bei den genussvollen Dingen des Lebens. Und direkt war leider auch nicht möglich, Louise hat es ja vorgezogen, mir regelmäßig auf die Finger zu hauen. Glaubt mir, ich musste lange warten, bis sie mich erhört hat. Lange, lange, lange. Außerdem habt Ihr mit dieser Frage gerade sowohl meine Frau als auch meine Autorin in die Flucht geschlagen. Einen Augenblick bitte. Ich muss die beiden Damen unbedingt wieder zurückholen. Vermutlich sind sie auf dem Wege, den Fächer zu suchen.
 
Lorai: Interessant! Diskutieren wir also nochmals über Sex?
 
Le Roy: Hmmm, ich entsinne mich, dass Ihr eben noch nicht einmal über meine Decke diskutieren wolltet. Aber diese Diskussion wäre sicherlich amüsanter, würdet Ihr versuchen, sie mit meiner Frau zu führen.
 
Lorai: Eine köstliche Idee. Aber ich fürchte, das würde ein paar Jahrhunderte dauern, bis eine Antwort kommt. Bis dahin hat mich meine Autorin schon lange umgebracht.
 
Le Roy: Eure Autorin hat in diesen erheiternden Vampirgeschichten nicht nur mir und meiner Königin Louise, sondern auch dem Bayern-König Ludwig II ein Denkmal gesetzt. Durftet Ihr ihn auch kennen lernen, und wie findet Ihr ihn?
 
Lorai: Nein, den Herrn durfte ich noch nicht sprechen. Aber er sieht toll aus, nicht? Ich glaube, er war als Wasserleiche immer noch schöner als Brad Pitt. Seufz…
 
Le Roy: Manchmal ist meine Autorin hier ein bisschen unnütz. Selbstverständlich nur manchmal. Aber bitte, wer ist dieser Kerl? Selbstverständlich nicht der Bayern König, den kennen wir doch. Aber dieser Brad... Spieß?
 
Lorai: Man könnte ihn als Schausteller bezeichnen. Oder als Hofnarren? Wie dem auch sei, er war ein wundervoller Vampir und verdient dafür absolute Bewunderung.
 
Le Roy: In diesen Vampirgeschichten wurden einige Details aufgegriffen, die nur wenige kennen. War meine Autorin so freundlich, diese zu liefern, oder hat die Princesse Marie Anne wieder geplaudert? Vielleicht sollte ich sie doch einmal einen Tag im Varieté  tanzen lassen. Allerdings züchtig bekleidet, selbstverständlich. Immerhin ist die Dame eine Prinzessin.
 
Lorai: Ihre Majestät, da bin ich zur Verschwiegenheit verpflichtet worden. Gerade der Vertrag mit Marie Anne hat Business-Passagen, da träumen die heutigen Politiker davon. Ach und natürlich könnt ihr sie züchtig kleiden, denn es hat nicht viel Einfluss auf sie. So viel kann ich sagen.
 
Le Roy: Ich frage mich ernstlich, von wem das Mädchen das hat. Ich würde ja durchaus meine Vermutung äußern, aber meine Frau hat mir schon wieder mit dem Fächer auf die Finger geschlagen. Zum zweiten Mal. Wenn das hier ein Märchen wäre, würde beim dritten Mal irgendetwas geschehen. Aber bitte keine Verwandlung in einen Prinzen. Das würde meine Karriere ernstlich gefährden.
 
Lorai: Nein, ein Prinz werdet Ihr nicht. Ich fürchte, Eure Karriereleiter sieht im nächsten Märchen eher marode aus. Zeitweise zumindest.
 
Le Roy: Ich notiere das. Madame Bourbon muss mich unbedingt aus einer solchen Situation retten. Die Dame hat zumindest ein gutes königstreues Gemüt. Und einen autoritären Ehemann.

  
Lorai: Ja, ich fürchte, sie wird da ein wenig machtlos sein. Feen haben eben auch so ihre Allüren.
 
Le Roy: Madame hat, sagen wir, ungeahnte Fähigkeiten. Anstelle der Fee würde ich jetzt Angst bekommen. Madame kann nämlich auch sehr energisch werden, wenn sie den Eindruck hat, es würde zu respektlos. Deshalb fühle ich mich auch sehr wohl hier. Sie sagt zwar manchmal: Solange Ihr Eure Krone unter meinem Dach... Nein, das sagt sie natürlich nicht. Petite plaisanterie. Oh, ich vergaß. Ich scherze ja nicht.
 
Lorai: Hmmm, wo ist die Krone genau? Und hat das etwas mit Nussschokolade zu tun? Ich bin gerade verwirrt.
 
Le Roy: Reden wir über Schwächen. Ich gebe gerne zu, die meine ist die Eifersucht. Ich schätze ja die Bekanntschaft mit dem Bayern-König sehr, aber die Blicke, die er manchmal meiner Frau nachwirft, missfallen mir - ein wenig. Welches ist Eure Achilles-Ferse?
 
Lorai: Himmel, jetzt kommen die Psychiater-Fragen. Ehrlich, so viel Zeit und Platz habe ich gar nicht, um alle meine Schwächen zu benennen. Belassen wir es doch einfach bei durchgeknallt und mordlustig. Das passt ganz gut.
 
Le Roy: Ihr habt ja ein paar morbide Neigungen. Ihr treibt euch gerne auf Friedhöfen herum und habt ein paar ziemlich originelle Ideen, zum Thema Leute umbringen. Wie erklärt Ihr Euch das?
 
Lorai: Also wir haben wirklich nur die eine Leiche gesucht. Ich konnte ja nicht wissen, dass ich nur ein totes Schwein finden würde. Aber da bin ich wohl schon bei der Begründung. Es war faszinierend. Die Gedärme und alles… Und dann diese vielen netten Menschen, die man mit dem Hobby kennen lernt. Es ist schlicht faszinierend.
 
Le Roy: Oh, ist im Buch nicht nur Euer Tod, sondern auch eine Autopsie geplant?
 
Lorai: So kann man das nicht ausdrücken. Eine Autopsie ist präzise und sauber. Nein, so wird es nicht sein, fürchte ich.
 
Le Roy: Hättet Ihr zu meiner Zeit, gehen wir noch etwas weiter, sagen wir, an meinem Hof gelebt, welcher Arbeit wäret Ihr gerne nachgegangen? Ich persönlich könnte ja noch einen Bademeister für meine Bassins gebrauchen. Oder einen Hofnarren. Aber bitte nicht übertreiben, die Ohren meiner Frau sind keuscher als die meinen.
 
Lorai:  Ach sind sie das? Nun gut! Also schon mal nichts mit Sex. Sorry, das gibt nur wieder Kinder über Kinder. Diese Dauerschwangerschaften waren ja sehr mühselig, wenn die Herren sich dauernd vergnügen wollen. Und schwimmen finde ich ekelhaft. Es reicht, wenn das Grab nass und kalt ist. Nein, ich wäre Köchin geworden und hätte ein Verhältnis mit dem Apotheker angefangen. Dann hätte ich immer zu essen gehabt und….
 
Le Roy: Ma chère. Jetzt bin ich ein wenig entgeistert. Was bringt Euch auf die Idee, ich könnte Arbeitsplätze an meinem Hof schaffen, die damit etwas zu tun haben? Da seid Ihr bei meinem Nachfolger richtiger. Und wie kommt Ihr auf die Idee, Schwangerschaften seien mühselig? Meine Frau sieht das glaube ich nicht so. Bringen wir es auf den Punkt, meine Liebe: Eine Schwangerschaft zu vermeiden, haben wir natürlich auch versucht. Mit etwas wenig Erfolg, möchte ich sagen. Und mit den gegebenen Mitteln, selbstverständlich. Und ein paar Annahmen, die heute als verworfen gelten, die Sache aber wesentlich amüsanter gemacht haben. Ach, das ist das Problem mit den neuesten Generationen. Sie glauben immer, sie hätten l'amour erfunden. Und wie sie folgenlos bleibt. Aber das ist natürlich Unsinn. Ich hingegen wage zu bezweifeln, ob ein chemischer Eingriff in den Körper, wie er ja offensichtlich heute üblich ist, so besonders gut für denselben ist. Während einer Schwangerschaft allerdings musste man sich darüber keine Gedanken machen. Ihr versteht? Im Übrigen solltet Ihr eine ähnliche Antwort in die Fragen meiner Frau einbauen. Auf die Reaktion warte ich.

 
Lorai: Verzeiht Majestät, aber so eine Antwort kann nur von einem Mann kommen. Wie wäre es mit einer kleinen Reinkarnation in unsere Zeit? Wir haben nämlich so nette Maschinen, die bei Männern die Wehen simulieren können. Und da die Herren gemeinhin schon bei Schnupfen ihr Testament machen, wäre das doch ein Spass sondergleichen. Ich würde sagen, Euch würde dabei die Krone ordentlich verrutschen.
 
Le Roy:  Meine Liebe. Das mag vielleicht für die Männer Eurer Generation gelten, wir waren da noch etwas weniger empfindlich. Das wäre auch in so einer kleinen Schlacht ausgesprochen schlecht gewesen. Oder bei diesen kleinen Operationen ohne Betäubung. Ach nein, keine Reinkarnation. Sagen wir, die Arbeitsplatzsituation ist für Menschen mit meinem Lebenslauf in Eurer Zeit ja eher schlecht ausgeprägt. Abgesehen davon gehe ich immer dahin, wo meine Frau hingeht. Wo sie ist, dahin werde ich ihr folgen. So haben wir es einander versprochen.
 
Lorai:  Ihr habt Recht Majestät. Schon die Referenzen dürften ein grösseres Problem sein.
 
Le Roy: Nicht wirklich, aber ich fürchte, die aus der eigenen Familie zählen nicht so viel...
 
Lorai: Ja und die Eurer Gegner wären wohl auch keine Lobgesänge.
 
Le Roy: Oh, kurioserweise doch! Manche meiner Gegner haben mir tatsächlich einige Qualitäten zugestanden. Apropos Qualitäten, gibt es da etwas, was Ihr unbedingt Eurer Autorin sagen wollt?
 
Lorai: Ja, ich finde meinen Sterbeort nicht gerade prickelnd. Muss das sein? Echt jetzt…!!!
 
Le Roy: Gibt es da etwas, was Ihr unbedingt meiner Autorin sagen wollt?
 
Lorai: Louise ist die reinste Erholung für mich, denn Alex Sax erträgt man nicht den ganzen Tag. Also danke an Louise Bourbon für ihre erbaulichen Geschichten, die mir den Tag verschönern, bevor ich mich wieder der Diktatur beugen muss.
 
Le Roy:  Das richte ich der Dame gerne aus. Sie wird sich sicherlich sehr freuen.
 
Lorai: Ja, und meine Autorin läuft gleich Amok, wenn sie das liest.
 
Le Roy: Schokolade soll ungemein beruhigend wirken, habe ich gehört. Oder ein ordentlicher Schluck Cognac in der Milch.
 
Lorai: Sie hat gerade Quarktorte im Kühlschrank. Da muss ich wohl gleich ein wenig manipulieren.
 
Le Roy: Verzeiht die Pause, Mademoiselle. Madame Bourbon ist auf dem Weg zum Kühlschrank.
 
Lorai: Dann lasse ich Eure Majestät auch zwei Minuten sitzen. Ich muss diese Torte haben. Jetzt…
 
Le Roy: Ma chère, meine geschätzte Autorin wünscht, dass ich ihr selbst noch für einige Fragen zur Verfügung stehe. Ich darf mich also verabschieden. Ich danke Euch für Eure Offenheit und fürchte, dass Ihr meine Abwesenheit gleich nutzen werdet, um unserer Tochter weitere Flausen in die Ohren zu setzen. Nun ja, sie wird schon berichten. Vielleicht sollte ich anmerken, dass wir auch noch weitere Töchter haben. Und ein paar schmucke Prinzen hätten wir auch noch zu bieten. Manch einer würde wahrscheinlich auch auf Eure Fragen antworten.
 
Lorai: Schmucke Prinzen? Ich bin ganz Ohr! Sowas fehlt mir noch in der Sammlung. Gerne bedanke ich mich, freundlich wie ich bin, für das sehr nette Gespräch und bewundere den Aufwand, den Ihr betrieben habt.

  
Le Roy: Hinsichtlich des Bayern-Königs solltet Ihr Euch an meine Frau wenden. Sie hat recht gute Beziehungen. Ich runzele gerade wieder die Stirn. Aber ich stelle Euch gerne unsere Söhne vor. Eure Autorin hat ja bereits den Duc du Maine in eine ihrer erbaulichen Vampirgeschichten eingebaut.
 
Lorai: Also wenn ich tot bin, dann wäre der Bayern-König schon eine Option, das muss ich zugeben. Wobei der Duc du Maine wohl etwas jünger und knuspriger wäre. Ach, was für ein Angebot!
 
Le Roy: Jünger?! Mit einem Geburtsjahr von 1670? Aber probieren geht über studieren. Ich stelle Euch den Herrn gerne vor.
 
Lorai: Stimmt, das habe ich nicht bedacht. Dann werde ich mir wohl doch eher Ludwig ansehen. Der ist schliesslich kürzer tot.
 
Le Roy: Oh, unser Sohn ist aber noch quasi lebendig bis ins Mark. Ganz der Papa, sozusagen.
 
Lorai: Das macht mir jetzt eher Angst.
 
Le Roy: Seid unbesorgt, meine Liebe. Meine Aufmerksamkeit richtet sich ganz auf die Königin. Und unser Sohn hat sehr viel von ihr geerbt. Habt Dank für Eure Offenheit. Ich würde fast annehmen, dass wir uns wiedersehen. Im Übrigen weiß ich, dass meine Frau auch noch einige Fragen an Euch hätte.
 
Lorai: Hach die Königin! Sehr gerne und mit Vergnügen.
 
Le Roy: Ich hoffe, ich bringe sie jetzt dazu, den Fächer endgültig zu Seite zu legen. Dieses Gerede über Empfängnis und so weiter hat mich doch ein wenig, sagen wir, rastlos gemacht. Und gebt ihr ruhig ein paar unseriöse Antworten. Sie errötet immer so süß.
 
Lorai: Ein rastloser König wegen eines Gesprächs. Wie lustig! Gut habt Ihr unsere Kioskangebote noch nicht gesehen. Das alte Versailles würde da glatt durchdrehen.
 
Le Roy: Ich notiere: Bei Madame Bourbon nachfragen, was Kiosk-Angebote sind. Im übrigen bin ich mittlerweile wieder ganz die Ruhe selbst.
 
Lorai: Schade! Ein wenig Bewegung kann im Geisterreich ja auch nicht schaden. Aber vielen Dank und bis bald.
 
Le Roy: Oh, in der Tat, Bewegung. Im übrigen bin ich zwischenzeitlich über die Kiosk-Angebote informiert. Vielen Dank, aber gar kein Interesse. Man könnte ja glatt den Eindruck haben, Europa befände sich in einer Hungersnot. Zudem muss ich meine Augen nicht schweifen lassen, wenn ich Schönheit genießen möchte. Eine solche habe ich stets an meiner Seite. Avec plaisir, ma chère. Ich werde dann nun die ersten Fallstricke des neuen Daseins für Euch notieren.
 
Lorai: Hach, ich kriege meine Geisteranleitung. Vielen Dank Eure Hoh… Majestät. Das wird lustig.
 
Le Roy: Madame Bourbon werden wieder die Finger bluten. Aber hilft nichts, da muss sie nun durch. Es sind ja noch einige Fragen offen geblieben, und mir sind noch ein paar neue in den Sinn gekommen. Ich denke, wir treffen uns noch einmal. Mit der Geisteranleitung.